HANNOVER - Landtags-Streit um Schüler-Stress: Die Probleme mit dem Turbo-Abi sorgten am Donnerstag für eine hitzige Debatte zwischen Koalition und Opposition im Parlament. SPD, Grüne und Linkspartei griffen die neue Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann (CDU) scharf an.

Die SPD-Abgeordnete Frauke Heiligenstadt sagte, sie sei enttäuscht über die Erklärungen der Ministerin. „Sie kennen gar nicht die Probleme vor Ort.“ Die Landesregierung habe kein Konzept, erklärte Grünen-Schulexpertin Ina Korter (Nordenham). Sie forderte, die 242 Gymnasien in Niedersachsen zu echten Ganztagsschulen auszubauen.

Der Fraktionschef der Linkspartei, Manfred Sohn, warf der Regierung vor, sich keine Gedanken über die Probleme mit dem doppelten Abitur-Jahrgang 2011 zu machen. Die Opposition fordert kleinere Klassen und eine Überarbeitung der Lehrpläne. Die Grünen sprachen sich dafür aus, dass es für die Schüler die Wahlmöglichkeit zwischen dem Abitur nach zwölf oder 13 Jahren geben sollte. „Schule darf nicht krank machen“, sagte Korter. Die Regierung müsse Druck aus dem Turbo-Gymnasium nehmen.

Heister-Neumann verteidigte die Verkürzung der Schulzeit auf zwölf Jahre. „Die Landesregierung nimmt die Sorgen der Eltern, Lehrer und Schüler ernst.“ Sie habe deshalb einen runden Tisch mit allen Beteiligten eingerichtet. Nach dem ersten Treffen in dieser Woche soll es am 2. Juni eine weitere Gesprächsrunde geben. Die Ministerin sagte zu, die Unterrichtsinhalte zu überprüfen. „Wir wollen nicht, dass alles Denkbare, sondern das notwendige Wissen vermittelt wird.“

Für Unruhe sorgte die Überlegung der CDU-Abgeordneten Karin Bertholdes-Sandrock, man könnte die Ferien verkürzen, um die Lehrpläne zu erfüllen. „Von einer Ferienverkürzung ist hier überhaupt nichts gesagt worden“, korrigierte die CDU-Schulexpertin Ursula Körtner.