HANNOVER - Das ganze Desaster um den geplatzten Landtagsneubau wird immer deutlicher sichtbar. Wie am Freitag bekannt wurde, fehlen in dem Architektenentwurf des Wettbewerbssiegers Eun Young Yi unter anderem die Kosten für Klimatechnik (4 Millionen Euro) Sprinkleranlage (400 000 Euro) oder Photovoltaik (400 000 Euro). Die Mängelliste des staatlichen Bauamtes umfasst insgesamt 15 Punkte. Der geplante Abriss des Plenarsaals und der Neubau eines Glaspalastes würde damit rund 65 Millionen Euro kosten – 20 Millionen mehr als seinerzeit vom Landtag bewilligt.
Laut Michael Brakemeier vom staatlichen Baumanagement sind Schwankungen bis zu 25 Prozent bei den Schätzungen der Baukosten möglich. Die Politik hätte aber durch Gutachten genauere Berechnungen haben können, betonte Brakemeier.
Landtagspräsident Hermann Dinkla (CDU) will in der kommenden Woche mit den Fraktionsspitzen einen gemeinsamen Kurs abstimmen. „Es ist ihm wichtig, dass zügig gehandelt wird“, sagte Landtags-Sprecher Kai Sommer. Er räumte ein, dass es bisher keine Berechnungen gibt, wie teuer eine Sanierung des Plenargebäudes wäre. Auch darüber soll am Dienstag gesprochen werden.
In einem Brief an die Fraktionschefs schreibt Dinkla, er halte eine detaillierte Kostenschätzung zu einer umfassenden Sanierung des bestehenden Plenargebäudes für notwendig. Damit soll ein Vergleich mit dem ursprünglich vorgesehenen Neubau möglich sein. Auch über mögliche Alternativen zur Konzeption des Plenargebäudes soll gesprochen werden. CDU und SPD hatten in dieser Woche erklärt, dass anstelle von Neubau oder Sanierung des maroden Oesterlen-Baus auch über ein neues Gebäude an anderer Stelle nachgedacht werden müsse.
Landtagspräsident Dinkla hat sich derweil beim Architekten Yi per Fax dafür entschuldigt, dass dieser die Kritik an seinem Entwurf aus Zeitungen erfahren musste. „Zudem hat er Herrn Yi nach Hannover zu weiteren Gesprächen eingeladen“, betonte Sommer. In der Opposition wird inzwischen über einen möglichen Rücktritt von Dinkla spekuliert.
