Hannover - Diesen Seitenhieb kann sich Ministerpräsident Stephan Weil nicht verkneifen. „Ich bin fit!“ strahlt der SPD-Landeschef hinter dem Redner-Tisch. „Und motiviert und kampfbereit“, setzt Weil hinzu. Ob Weil wohl bei diesen Worten an seinen Herausforderer Bernd Althusmann (CDU) gedacht hat? Einen Tag zuvor hatte der CDU-Landeschef zwei Minister-Kandidaten, Björn Thümler und Reinhold Hilbers, präsentiert. Heftig schwitzend im Licht von Fernsehkameras. Weil sinniert derweil über seine Freude am Laufsport und seine Urkunde als drittbester Läufer in Schneverdingen. Weil („Ich habe einen ruhigen Puls“) schwitzt kein bisschen.
Ob Sporturkunde oder nicht – die nächsten Wochen werden zum Wahlmarathon. Nur noch 17 Tage sind es bis zur Bundestagswahl am 24. September. „Und dann werden noch in der Nacht die Plakate für die Landtagswahl geklebt“, sagt SPD-Generalsekretär Detlef Tanke. Exakt drei Wochen bleiben danach bis zur Entscheidung über die nächste Landesregierung am 15. Oktober.
Die SPD setzt ganz auf den Weil-Effekt. Wirbt die SPD zunächst eher mit allgemeinem Themen wie Bildung, Arbeit und Zusammenhalt für eine Fortsetzung der Regierungspolitik, werden in der heißen Phase „die Plakate ganz zugespitzt auf den Spitzenkandidaten“, sagt Weil. Ob der direkte Vergleich zwischen den Spitzenkandidaten Weil und Althusmann ausschlaggebend wird für die Wahlentscheidung der Bürger? „Es mag ausschlaggebend sein“, hält sich der Amtsinhaber mit einem Urteil zurück. Aber Vorteile sieht er schon für sich: „Ich stehe mit beiden Beinen fest auf dem Boden und bin gut verankert in der Bevölkerung.“ Wieder eine Anspielung? Auf die dreijährige Abwesenheit von Althusmann weit weg in Afrika?
Die SPD startet ihre heiße Phase in jedem Fall im Nordwesten. In Wilhelmshaven steht am 2. Oktober eine Großveranstaltung mit Weil und Wirtschaftsminister Olaf Lies (Sande) auf dem Terminplan. Zwei Großkundgebungen folgen am 4. Oktober in Emden (ab 17 Uhr) und in Cuxhaven (ab 19 Uhr). Den Spagat zwischen Ems und Jade schafft Weil nur fliegend.
So intensiv der Landtagswahlkampf auch werden mag, viel hängt vom Ausgang der Bundestagswahl ab. „Das ist die ganz große Unbekannte“, sagt Weil, der über eine Variante „gar nicht spekulieren“ mag: eine Große Koalition.
