Hannover - Drei Erdstöße im Landkreis Verden haben eine Landtagsdebatte über die Förderung von Gas und Öl in Niedersachsen ausgelöst. Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) sagte der Bevölkerung Informationen über die Ursachen der Beben am Rand eines Erdgasfeldes zu. Das zuständige Landesbergamt (LBEG) sei „aufgefordert, umgehend die Faktenlage aufzuklären“. „Es wird eine Infoveranstaltung des LBEG vor Ort geben“, kündigte Althusmann an.
Der Niedersächsische Erdbebendienst (NED) hatte am Mittwochabend drei Erdbeben mit Epizentren nahe Kirchlinteln, etwa fünf Kilometer von der Stadt Verden (Aller) entfernt, registriert. Um 18.28 Uhr bebte die Erde demnach mit einer Stärke von 3,2 auf der nach oben offenen Richterskala. Um 20.52 Uhr registrierten Messgeräte eine weitere Störung mit der Stärke 1,5 – was für Menschen allerdings nicht zu spüren ist. Um 22.32 Uhr kam es erneut zu Erschütterungen, dieses Mal betrug die Stärke 3,0. Der NED verzeichnete bis zum Donnerstagmorgen mehr als 60 Meldungen, vorwiegend aus der Stadt Verden. Verletzte gab es nach vorläufigen Angaben nicht.
Das LBEG vermutet die Erdgasförderung in der Region als Ursache für diese und weitere Beben. Das betroffene Gebiet liegt am südöstlichen Rand des Erdgasfeldes Völkersen. In den vergangenen Jahren wurden im nun betroffenen Gebiet insgesamt 21 seismische Ereignisse registriert, zuletzt bebte die Erde am 11. Dezember 2017 mit einer Magnitude von 2,5. Das zuvor schwerste Beben mit einer Magnitude von 3,1 wurde im April 2016 registriert. Das stärkste Niedersachsen-Beben in jüngster Vergangenheit wurde mit 3,6 am 1. Oktober 2018 in der Gemeinde Lastrup (Kreis Cloppenburg) gemessen. Das Förderunternehmen Wintershall Dea bedauerte in einer Mitteilung die Unannehmlichkeiten.
Die Grünen im niedersächsischen Landtag sprachen von einem „Alarmsignal“ und forderten verpflichtende Umweltverträglichkeitsprüfungen für jede Förderung. Die Grünen-Abgeordnete Imke Byl warf der rot-schwarzen Landesregierung vor, den Problemen auszuweichen. Die Grünen verwiesen auf Förderverbote bei Nachbarn wie in den Niederlanden.
Die AfD sprach sich für ein Ende der Gasförderung in Niedersachsen aus. Die Förderung lohne sich nicht, das Land solle sich die Rohstoffe für Notzeiten aufsparen, sagte der Abgeordnete Klaus Wichmann. Zudem sei der ganze Landkreis Verden gegen die Förderung. „Die Menschen haben Angst, die Menschen haben die Nase voll“, sagte er.
Auch Vertreter der Großen Koalition sprachen sich für eine Aufarbeitung aus. „Wir dürfen nach solchen Dingen nicht zur Tagesordnung übergehen“, sagte der CDU-Umweltpolitiker Martin Bäumer. Wirtschaftsminister Althusmann warnte vor voreiligen Schlüssen. Zunächst müsse die Faktenlage beurteilt werden.
