HANNOVER - Die Anspannung der Kandidaten ist enorm. Christian Wulff (CDU) läuft beim Aufwärmen unruhig durch das Studio, Wolfgang Jüttner (SPD) muss mehrfach nachgeschminkt werden im NDR-Haus. Moderator Andreas Cichowicz wartet gespannt auf den niedersächsischen Ministerpräsidenten und dessen Herausforderer im Landtagswahlkampf.
Auf den Fluren werden die Parteistrategen unruhig. Nach wochenlanger Vorbereitung ist es fast soweit. Die strengen Regeln des Duells sind in einem 20-seitigen Vertrag fixiert. Kleidung, Fragen, Redezeit: Nichts wird dem Zufall überlassen. Wulff bekommt die erste Frage. Auch die Positionen vor der Kamera stehen längst fest. Die Redezeit wird gestoppt.
Trotzdem kommt es zu Reibereien. Die SPD setzt durch, dass die Sendung auf eine Stunde verlängert wird. Die CDU lässt die Pulte im Studio verrücken, damit Wulff nicht immer direkt auf den Kontrahenten schauen muss. Die Spitzenkandidaten bekommen davon nicht viel mit. Wulff hat sich in sein Büro zurückgezogen, Jüttner spricht mit SPD-Landeschef Garrelt Duin letzte Details durch.
Wulff habe sich nicht besonders vorbereitet, sagt CDU-Sprecher Thomas Philipp Reiter. „Er ist in den Themen drin.“ Von Jüttner wird bekannt, dass er einen Medientrainer engagiert hat. Beide haben ein Hotelzimmer auf dem Messegelände. Kurz bevor es losgeht, taucht in der SPD-Ecke eine Schornsteinfegerin auf: „Wir überlassen nichts dem Zufall.“
Seine Regierung habe ihre Wahlversprechen gehalten, startet Wulff in das Duell. „Wir haben Niedersachsen zum Land des Lächelns gemacht.“ Da sieht Jüttner im blauen Studio gleich rot.
„Land des Lächelns“ sei einige der wenigen Operetten, die kein glückliches Ende hätten, lästert er. In der Wirtschafts- und Bildungspolitik geraten beide heftig aneinander. Jüttner wird sicherer, lächelt häufig. Er wirft Wulff vor, im Streit um den Autobauer Karmann gelogen zu haben. „Das ist ungehörig“. Wulff erklärt, eine Zeitung habe nicht richtig berichtet. Als Jüttner der CDU eine Politik der sozialen Kälte vorwirft, kontert Wulff: „Wir haben in Bildung und Soziales investiert.“ Ähnliches beim Thema Schule: „Dieses Schulsystem ist gescheitert“, sagt Jüttner. „Wir müssen den ideologischen Kampf beenden“, kontert Wulff.
Nach dem jeder Kandidat rund 20 Minuten geredet hat, fühlen sich beide Seiten als Sieger. Er sei zufrieden, sagt Wulff mit einem Glas Rotwein in der Hand. Jüttner ist es auch. „Wulff hat dieses Duell nachhaltig gewonnen“, kommentiert CDU-Generalsekretär Ulf Thiele. „Jüttner hat voll angegriffen“, lobt SPD-Chef Duin.
