Navigation überspringen
nordwest-zeitung
Abo-Angebote ePaper Newsletter App Prospekte Jobs Immo Trauer Shop

LANDTAGSWAHL "Die Friesen" wollen sich notfalls ins Parlament klagen

HANNOVER/LEER - Am Anfang hielten viele die

Parteigründung für einen Ostfriesen-Witz. Weit gefehlt, „Die Friesen“

sind beileibe keine neue Spaßpartei, sie meinen es bitter Ernst mit

ihrem Sturm auf Hannover. Ihr Vorsitzender Arno Rademacher rechnet

sich Chancen aus, nach der Landtagswahl ins niedersächsische

Parlament einzuziehen. „Wir vertreten die Interessen einer nationalen

Minderheit, deshalb unterliegen wir nicht der Fünf-Prozent-Hürde“,

sagt der 44 Jahre alte Versicherungsmakler aus Leer selbstbewusst.

Sollte der Landtag vor dem 27. Januar nicht mehr das

Landeswahlgesetz entsprechend ändern, behalten sich „Die Friesen“

rechtliche Schritte vor - „einschließlich einer Anfechtung der Wahl“

droht der Spitzenkandidat. Ob er dies wahr macht, ist unklar.

Landeswahlleiter Karl-Ludwig Strelen jedenfalls sieht keinen Anlass

zu Aktionismus. „Für diese Wahl ist die Chance einer Befreiung von

der Sperrklausel gleich Null“, meint er. Die Friesen seien keine

nationale Minderheit, sondern allenfalls eine „besondere kulturelle

Gruppe“.

Mehr zum Thema auf NWZonline

Spitzenkandidaten für die Landtagswahl

Zentrale Wahlkampfthemen in Niedersachsen

Spezial zur Landtagswahl in Niedersachsen

Bis zu 14 Parteien stellen sich dem Bürger-Votum

Das Europäische Rahmenübereinkommen zum Schutz nationaler

Minderheiten hat die Friesen jedoch als solche in Deutschland

anerkannt - neben den Sorben, Sinti und Roma sowie der dänischen

Minderheit. Letztgenannte wird durch den Südschleswigschen

Wählerverband (SSW) politisch vertreten und ist bei Landtagswahlen

von der Fünf-Prozent-Hürde befreit.

Der friesische SSW-Abgeordnete im Landtag von Schleswig-Holstein,

Lars Harms, wünscht seinen Landsleuten in Niedersachsen viel Glück:

„Neue Parteien beleben das Geschäft.“ Bei der Vorstellung des

jüngsten Minderheitenberichts seines Landes kritisierte Harms: „Keine

andere Minderheit in Europa ist so schlecht in den Medien vertreten

wie die Friesen.“

Rademacher sieht das ähnlich und greift vor allem die etablierten

Parteien an. Wie er stammen viele der mittlerweile etwa 70 Partei-

Mitglieder aus der SPD. „Früher war die SPD die Friesenpartei. Hier

gab es Traumergebnisse von 60 Prozent und mehr“, erinnert sich der

Vater dreier Kinder. Doch durch falsche Politik in Hannover sei die

Region wirtschaftlich abgehängt. Besonders für den Küstenschutz werde

zu wenig getan. „Damit unsere Kinder nicht da schwimmen, wo wir heute

wohnen“, lautet ein etwas ungelenker Slogan auf der Partei-Homepage.

Aber wer genau sind überhaupt die Friesen und wo leben sie? In

Niedersachsen gibt es mit Ausnahme der sogenannten Saterfriesen gar

keine geschlossene Volksgruppe mit eigener Sprache mehr. Der letzte

friesisch sprechende Ostfriese starb Rademacher zufolge um 1904 auf

der Insel Wangerooge. Somit hat die „Friesen“-Partei wahrscheinlich

nur Aussicht auf einen Minderheitenstatus, wenn sie glaubhaft machen

kann, dass sie die etwa 2000 bis 2500 Saterfriesen im Landkreis

Cloppenburg vertritt.

Der „Friesen“-Vorsitzende spricht kein Saterfriesisch, aber

immerhin Plattdeutsch, obwohl seine Eltern nie mit ihm platt snackten

- und ihm zu seinem Missfallen auch keinen friesischen Namen gaben.

Jahrzehntelang war Platt als Bauernsprache verpönt. Seine Auftritte

verbindet Rademacher stets mit Nachhilfe in friesischer Geschichte

(„die älteste Volksdemokratie Europas“), aus denen er typische Werte

ableitet: Verlässlichkeit, Toleranz, Erdverbundenheit.

Der Erfolg eines Politikers hängt maßgeblich davon ab, wie viel

Integrationskraft er besitzt. Der „Friesen“-Spitzenkandidat, dessen

politische Erfahrung sich auf einen Sitz für die SPD im Dorfrat

beschränkt, hat in dieser Hinsicht Talent: Jeder, der sich zu den

friesischen Werten bekenne, sei im Grunde genommen ein Friese, sagt

er und lächelt schelmisch.

Themen
Artikelempfehlungen der Redaktion
Hoffen auf reges Interesse für die Schmetterlingswochen: Landschaftsökologe Felix Närmann (l.) und Thorsten Kuchta von der Geschäftsstelle Masterplan Ems 2050.

SCHMETTERLINGSWOCHEN IN MOORMERLAND Forschungen förderten eine große Vielfalt an Faltern zutage

Axel Pries
Moormerland
Fordert Verbesserungen für die Opfer des SED-Regimes: Evelyn Zupke (62), frühere Bürgerrechtlerin und SED-Opferbeauftragte beim Deutschen Bundestag

STREIT UM ANGEKÜNDIGTE VERBESSERUNGEN Warum SED-Opfer der Bundesregierung „Wortbruch“ vorwerfen

Stefan Idel Büro Hannover
Hannover
Der Klosterpark Oestringfelde ist sozusagen die „grüne Lunge“ von Schortens und beliebtes Ausflugsziel. Dort stehen unter anderem mehrere alte Eiben.

FÖRDERMITTEL FÜR KLOSTERPARK Juwel der Stadt Schortens soll mit 1,387 Millionen Euro weiterentwickelt werden

Jeversches Wochenblatt
Schortens
„Darüber müssen wir nochmal reden“
Pro-palästinensische Proteste vor der US-Botschaft in Jakarta (Indonesien): Im Hintergrund ist das KI-generierte Bild „all eyes on Rafah“ zu sehen. Dieses geht zurzeit in den „sozialen Medien“ viral.

KOLUMNE ZU „ALL EYES ON RAFAH“-KI-BILD Erst recherchieren, dann teilen

Luise Charlotte Bauer
Der ehemalige Geschäftsführer des Klinikums Wilhelmshaven, Reinhold Keil.

PROZESS GEGEN WILHELMSHAVENS EX-KLINIKUMS-GESCHÄFTSFÜHRER Fehlende Qualifikation bei Bewerbung nicht überprüft

Lutz Rector
Wilhelmshaven