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Ministerpräsident Große Diplomatie statt Bierzelt-Reden

Marco Seng

HANNOVER - Wenn die Opposition im Landtag mal wieder gegen seine Regierung poltert, sitzt David McAllister häufig mit grimmiger Miene und verschränkten Armen auf der Regierungsbank. Wenn seine Koalitionstruppen den politischen Gegner danach in die Schranken verweisen, huscht dem Ministerpräsidenten genauso häufig ein spitzbübisches Lächeln übers Gesicht. McAllister darf als Regierungschef im Parlament nicht mehr so, wie er gerne würde. Das Austeilen muss er sich für CDU-Parteitage und Bierzelt-Auftritte aufheben.

„David, kannst Du mal wieder so reden wie früher“, hatte ihn der Braunschweiger CDU-Landeschef Frank Oesterhelweg beim politischen Aschermittwoch in Wolfenbüttel gebeten. David konnte. Die CDU-Abgeordneten im Landtag müssen von der Erinnerung zehren – etwa an die Rededuelle mit Sigmar Gabriel, bei denen McAllister teilweise Lehrgeld bezahlen musste.

Plötzlicher Wechsel

Seit einem Jahr ist der 40-jährige McAllister Ministerpräsident. Am 1. Juli 2010 übernahm er das Amt von Christian Wulff, der Bundespräsident wurde. Der Wechsel kam plötzlich, auch wenn McAllister, immerhin sieben Jahre lang CDU-Fraktionschef im Landtag, längst als „Kronprinz“ von Wulff galt. Drei Tage später saß er bereits im Flugzeug nach Peking. Von einem Tag auf den anderen musste der scharfzüngige Rhetoriker aus Bad Bederkesa die hohe Kunst der politischen Diplomatie erlernen.

McAllister hat sich als Ministerpräsident radikal umgestellt. Als Generalsekretär, Fraktions- und später Parteichef konnte er sich in allen Bereichen in die tägliche Politik einmischen, konnte sein Detailwissen und seine Schlagfertigkeit nutzen. Als Ministerpräsident muss er die große Linie vorgeben, Small Talk halten und sonst seine Minister machen lassen.

Mit Aufgabe gewachsen

McAllister ist mit seiner Aufgabe gewachsen und doch irgendwie der alte geblieben. „Ich bin es doch, euer Mac“, sagte er kurz nach seiner Amtsübernahme in einer Journalistenrunde. Und so gönnt sich McAllister immer noch den Besuch von Schützenfesten, urlaubt mit Ehefrau Dunja und den beiden Töchtern am Strand in Cuxhaven, diskutiert mit den Nachbarn im heimischen Bad Bederkesa, isst unterwegs seine geliebten Burger. „Ein Ministerpräsident zum Anfassen“, findet FDP-Fraktionschef Christian Dürr. Vielleicht ist es das, was McAllister sogar bei SPD-Wählern beliebt macht.

Im ersten Regierungsjahr hat er landespolitische Erfolge vorzuweisen, die aber vor der aufgeheizten Diskussion um die Energiewende teilweise verblassen. Die von ihm auf den Weg gebrachte Schulreform, die Verschmelzung von Haupt- und Realschulen, wäre unter Wulff noch undenkbar gewesen. Auch in der Agrarpolitik hat McAllister eine Wende eingeläutet. Er feuerte die umstrittene Agrarministerin Astrid Grotelüschen und ersetzte sie durch den hoch geschätzten Gert Lindemann, der sofort einen Tierschutzplan auf den Weg brachte. McAllister strebt in die politische Mitte, das streng Konservative überlässt er anderen.

Offizielle Treue

Auch in der Berliner Politik ist McAllister inzwischen angekommen, selbst wenn ihn „Berlin-Mitte“ oft befremdet. Den Umgang mit seinem Freund, FDP-Vizekanzler Philipp Rösler, das Plaudern aus Hintergrundrunden, bezeichnet er als „miesen Stil“. Die Kanzlerin schätzt McAllister, der bereits nach einem Jahr unter den CDU-Landesfürsten einer der mächtigsten ist. Umgekehrt lässt auch McAllister nichts auf Merkel kommen. Der Ministerpräsident steht offiziell treu zum Koalitionspartner FDP, auf einen Flirt mit den Grünen verzichtet er trotzdem nicht. McAllister will 2013 in Niedersachsen wiedergewählt werden.

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