HANNOVER - HANNOVER/DPA - Zum besseren Schutz von Kindern vor Gewalt soll ein Leitfaden Ärzten in Niedersachsen helfen, Misshandlungen besser zu erkennen. Selbst Menschen, die beruflich mit Kindern zu tun haben, seien nicht immer in der Lage, deren körperliches und seelisches Leid wahrzunehmen, sagte Niedersachsens Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann (CDU) gestern in Hannover.
Seelische Gewalt und Kindesvernachlässigung seien von einem Arzt schwer zu diagnostizieren. Das Sozialministerium geht davon aus, dass bundesweit fünf bis zehn Prozent aller Kinder betroffen sind. Der Leitfaden, der an Kinder- und Hausärzte sowie Ambulanzen und Krankenhäuser verteilt wird, gibt Hilfestellungen bei der Diagnose, schildert verschiedene Formen von Gewalt und erläutert die rechtlichen Rahmenbedingungen für die ärztliche Praxis. „Wirksamer Kinderschutz muss früh ansetzen“, sagte Ross-Luttmann.
In den Regionen müssten Netzwerke zwischen Ärzten, Klinikambulanzen und sozialen Diensten gebildet und klare Ansprechpartner benannt werden, forderte der Vize-Präsident der Ärztekammer Niedersachsen, Gisbert Voigt. „Uns geht es mehr um die teilweise sehr verschleierten Formen von Gewalt, sei es die Vernachlässigung oder das ganz besonders schwierige Thema sexueller Missbrauch“, betonte Voigt. Die Befunde in solchen Fällen seien meist subtil. Außerdem werden Kinder, die von körperlicher Gewalt betroffen sind, laut Voigt oft in Ambulanzen gebracht und nicht zum behandelnden Kinderarzt, damit Wiederholungen nicht auffallen.
Ross-Luttmann hat sich zudem für eine grundlegende Reform der Früherkennungstests für Kinder ausgesprochen. Die Inhalte der gegenwärtigen Untersuchungen seien nur unzureichend geeignet, Vernachlässigung und Misshandlung zuverlässig zu erkennen, erklärte sie. „Es geht um mehr als nur um Größe, Gewicht und Infektionskrankheiten.“
