HANNOVER - Kirchenglocken, Echolot oder klassisches Ringen: Individuelle Klingeltöne sind in Mode. Nicht nur auf Schulhöfen und in Kinderzimmern spielt die Melodie des Handys eine große Rolle. Auch viele Politiker in Niedersachsen legen einen großen Wert auf ihren persönlichen Handy-Klingelton – regelrechte Rufton-Muffel inbegriffen.
Regierung befragt
Bereits eine kurze Umfrage auf der Regierungsbank zeigt, wie unterschiedlich die Minister um Regierungschef David McAllister (CDU) die Klingeltonfrage bewerten. Während Ex-Ministerpräsident Christian Wulff noch ganz patriotisch mit dem „Niedersachsenlied“ und kurz vor seinem Umzug ins Schloss Bellevue angeblich sogar mit Lena Meyer-Landruts Grand-Prix-Hit „Satellite“ durch die Lande reiste, zieht sein Nachfolger McAllister ein klassisches Telefonklingeln vor. Auch Profilgruppen nutzt er nach eigenen Angaben keine – so klingelt sein Handy bei Anrufen von Journalisten genauso wie bei seiner Frau Dunja.
Etwas experimenteller sind da schon Sozialministerin Aygül Özkan und Landwirtschaftsministerin Astrid Grotelüschen (beide CDU). Sie haben gar unterschiedliche Klingeltöne für ihre jeweils beiden Handys gespeichert.
Unangefochtener Spitzenreiter im Landtag ist, zumindest was die Klingeltöne seines Handys angeht, SPD-Fraktionschef Stefan Schostok. Gleich vier unterschiedliche Warnmelodien nennt er derzeit sein eigen. Neben dem Grundton Blues, einer geduldigen Klavierintonation, hat er seine Anrufer noch in mindestens drei weitere Gruppen eingeteilt: Kirchenglocken für all jene, „denen er seine volle Aufmerksamkeit widmen muss“, eine Türklingel für alle, „mit denen er gerne sprechen möchte“. Journalisten und Pressesprecher müssen sich mit einem „ungeduldigen Ton“ begnügen.
Auch der neue CDU-Fraktionschef Björn Thümler weiß die Vorteile von unterschiedlichen Tönen zu schätzen. Während sich seine Frau hinter dem geheimnisvoll klingenden „BBGroove-Interlude“ verbirgt, klingt der Rest der Welt im fröhlichen „Tune Calypso“. Bei Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) ist es der SMS-Klingelton, der im Landtag seinesgleichen sucht. Bei jeder Kurznachricht fühlen sich die Zuhörer dank des Echolot-Klanges in ein U-Boot versetzt.
Die kleine Gruppe der Klingelton-Muffel wird angeführt von FDP-Umweltminister Hans-Heinrich Sander gefolgt von seinen CDU-Kollegen Hartmut Möllring (Finanzen), Bernd Busemann (Justiz), Uwe Schünemann (Inneres) und Johanna Wanka (Wissenschaft). Alle nutzen die voreingestellten Töne ihrer mobilen Begleiter.
Geldstrafen drohen
Im Plenum sind klingelnde Handys ohnehin verpönt. Wer sein Telefon nicht auf Vibrationsalarm geschaltet hat, riskiert nicht nur die verächtlichen Blicke der anderen Parlamentarier, sondern auch eine Rüge des Landtagspräsidenten. In den Ausschüssen kann ein störendes Klingeln sogar mit Geldstrafen von bis zu 10 Euro geahndet werden.
