HANNOVER - Draußen Trillerpfeifen, Spruchbänder und Nazi-Raus-Rufe, drinnen Dirndl, Marschmusik und dumpfe Parolen. Dazwischen Absperrgitter, Stacheldraht und hunderte Polizisten. Zwei Stunden vor dem Beginn des NPD-Parteitags ist die Stimmung rund um die Kongresshalle gespenstisch. Sicherheitskräfte haben den Tagungsort im noblen Zooviertel weiträumig abgeriegelt. Mehr als 2000 Beamte aus vielen Bundesländern sind aufgeboten. Der erste Zusammenstoß verläuft glimpflich: ein leichter Auffahrunfall in der Sperrzone. Später fliegen ein paar Eier und treffen Besucher der NPD-Veranstaltung, sonst bleibt es friedlich.
Draußen sammelt sich eine bunte Menschenmenge vor der Bühne. Dutzende Gruppen haben zu der Protestaktion aufgerufen, Gewerkschaften, Kirchen und Verbände. Rund 8000 Demonstranten sind es an diesem Tag. Sie machen ihrem Unmut bei der zentralen Kundgebung auf dem Opernplatz Luft. Viele schließen sich dem Marsch zur Kongresshalle an, der sich kilometerlang durch die Straßen der Landeshauptstadt schiebt.
Drinnen füllt sich die Eilenriedehalle: mit Skinheads, Freien Nationalisten, Parteimitgliedern. Bis zu 600 NPD-Anhänger sind aus dem gesamten Bundesgebiet angereist: Ewig gestrige, geistige Brandstifter, Biedermänner. Sächsisch hört man häufig. In Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern sitzen die Nationaldemokraten im Landtag. In Niedersachsen streben sie den Einzug an. Von einem Wählerpotenzial von elf Prozent schwadroniert NPD-Bundeschef Udo Voigt vor Journalisten. Und von einer „guten Stimmung in Deutschland für nationale Politik“.
Draußen ruft IG-Metall-Bezirkschef Hartmut Meine den Demonstranten zu: „Wir müssen höllisch aufpassen, dass sich die Neonazis nicht einschleichen und als scheinbar seriöse Politiker daherkommen.“ Die Giftsaat von Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit dürfe nicht aufgehen, erklärt Landtagspräsident Jürgen Gansäuer (CDU). Den rund 400 Autonomen sind die Reden egal. Sie spielen Katz und Maus mit der Polizei, doch der schwarze Block zeigt sich weniger gewaltbereit als befürchtet. Auch der „gelbe Block“ von FDP-Landeschef Philipp Rösler scheitert am Sperrzaun. Rösler will Austrittserklärungen an NPD-Mitglieder verteilen.
Drinnen in der schäbigen Halle läuft neutralen Beobachtern ein Schauer über den Rücken als die Parteispitze einzieht: mit martialischer Musik und schwarzen Fahnen. Ein Redner nach dem anderen wettert gegen Ausländer, anders Denkende und andere Parteien. Bundeschef Voigt und der Spitzenkandidat der NPD in Niedersachsen, Andreas Molau, brüllen unentwegt ins Mikrofon. Molau will deutsche und ausländische Schüler in den Klassen trennen – mittels einer Volksinitiative.
