HANNOVER/OLDENBURG - Die Bundeswehr hält Einzug in die Amtsstuben. Im Katastrophenfall sollen künftig Reservisten die Kommunen beraten und Hilfe organisieren. Das neue „Landeskommando Niedersachsen“ wurde am Freitag in Hannover in Dienst gestellt. Niedersachsen folgt damit anderen Bundesländern, in denen die Zusammenarbeit zwischen Militärs und zivilen Stellen bereits neu geordnet wurde. Hintergrund für die Reform sind Einsparungen bei der Bundeswehr.

Die Hauptaufgabe des Landeskommandos werde darin bestehen, „dem Land bei Katastrophen und großen Schadenslagen zur Seite zu stehen und es zu unterstützen“, sagte Innenminister Uwe Schünemann (CDU) bei der Feierstunde um Freitag in Hannover. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium, Thomas Kossendey (CDU), verwies darauf, dass die Bundeswehr konsequent auf zukünftige Aufgaben ausgerichtet werden müsse. Dazu gehört nach seiner Ansicht die Terrorismusbekämpfung genauso wie der Katastrophenschutz.

Das neue Landeskommando umfasst 52 Verbindungskommandos bei den sechs Polizeidirektionen sowie den 46 Kreisen und kreisfreien Städten in Niedersachsen. Jede Einheit umfasst zehn Personen. Für den Ernstfall stehen landesweit 60 aktive Soldaten und 520 Reservisten bereit. Oldenburg ist Sitz eines der vier regionalen Planungstrupps.

Als Beispiel für eine gelungene Zusammenarbeit zwischen Militärs und Behörden verwies Kossendey auf die Bekämpfung des Hochwassers an der Elbe 2002. „Die Bundeswehr hat den Anspruch, den Ländern im Ernstfall zu helfen“, sagte der Befehlshaber im Wehrbereich Küste, Heinz-Georg Keerl.

Bei Katastrophen wie Überschwemmungen oder großflächigen Stromausfällen sollen die Reservisten erste Ansprechpartner der Landräte und Bürgermeister sein. Es gehe um die Planung, Vorbereitung und Koordination von Amts- und Katastrophenhilfe, erklärte Schünemann.

Keerl verwies darauf, dass die Bundeswehr kein Ersatz für Feuerwehr oder Technisches Hilfswerk sein wolle. Sie habe aber in vielen Fällen besseres Gerät – etwa mehr Hubschrauber oder Stromaggregate.