HANNOVER - Der Streit um den Neubau des Landtags in Hannover tobt seit Jahren. Jetzt hoffen die Fraktionen, dass eine endgültige Entscheidung noch vor der Sommerpause fällt. Die Kernfrage lautet weiterhin: Umbau oder Abriss des maroden Plenarsaals? Das Parlament hatte sich vor zwei Jahren zwar mit großer Mehrheit für einen Neubau ausgesprochen. Doch heftige Bürgerproteste und die befürchtete Kostenexplosion haben das ehrgeizige Projekt von CDU-Landtagspräsident Hermann Dinkla (Westerholt) bisher verhindert.

Die Landtagsverwaltung hat jetzt ein weiteres Gutachten in Auftrag gegeben. Es soll klären, wie teuer eine Sanierung im Bestand wäre. Rund 21 Millionen Euro sind schon fest veranschlagt: für den Brandschutz und andere gesetzliche Vorgaben. Der denkmalgeschützte Oesterlen-Bau erfüllt die Sicherheitsanforderungen nicht mehr. Die Gutachter sollen jetzt weitere 28 Einzelfragen beantworten, die ihnen die Baukommission gestellt hat. Was kostet ein Plenarsaal mit Tageslicht? Soll die Portikushalle überdacht werden? Am Ende soll eine Summe stehen, die mit den Neubaukosten nach Plänen des koreanischen Architekten Eun Young Yi vergleichbar ist.

Im siegreichen Architektenentwurf, der einen Glaspalast anstelle des Oesterlen-Baus vorsieht, sind Gesamtkosten von rund 45 Millionen Euro veranschlagt. Das staatliche Baumanagement geht nach einer ersten Berechnung von bis zu 65 Millionen Euro aus. Das deckt der Landtagbeschluss von 2010 nicht ab. Deshalb rechnen derzeit auch Yi und das Baumanagement noch einmal nach.

„Am Ende haben wir zwei Zahlen, die wir vergleichen können“, sagte CDU-Parlamentsgeschäftsführer Jens Nacke (Wiefelstede) dieser Zeitung. Der alte Landtags-Beschluss für den Neubau gelte aber weiterhin. „Architekt und Gutachter sind jetzt in der Bringschuld. Dann werden wird weitersehen“, sagte SPD-Parlamentsgeschäftsführerin Johanne Modder (Bunde). Das Limit für einen Neubau liege aber bei 50 Millionen Euro.

Während CDU, SPD und FDP in der Mehrheit dem Abriss des alten Plenarsaals zuneigen, haben sich Grüne und Linke wiederholt dagegen ausgesprochen. Die Bürgerproteste sind zwar deutlich abgeflaut, allerdings rechnet selbst bei einem Beschluss im Sommer niemand im Landtag ernsthaft damit, dass die Bagger vor der Landtagswahl 2013 anrollen könnten.