HANNOVER - Erneuter Wirbel um die niedersächsische Umweltstiftung: Die CDU/FDP-Koalition will den Posten des hauptamtlichen Geschäftsführers nach Informationen dieser Zeitung mit einem abgewählten Ex-Landtagsabgeordneten der CDU besetzen. Der Steuerzahlerbund protestierte und forderte eine öffentliche Ausschreibung. Auch den Vorstandsvorsitz der Stiftung soll eine CDU-Politikerin übernehmen. Landtags-Opposition und Naturschutzverbände warnten vor parteipolitischen Mauscheleien.
Die neue „Niedersächsische Bingostiftung für Umwelt und Entwicklungsarbeit“ erhält aus Glücksspielabgaben des Landes rund 4,5 Millionen Euro, um Projekte des Natur- und Umweltschutzes zu fördern. Die Stiftung sei zwar „rechtlich selbstständig, erhalte aber laufende Zahlungen aus dem Landeshaushalt“, forderte Steuerzahlerbund-Vorstand Bernhard Zentgraf in einem Brief an die Koalitionsfraktionen eine Ausschreibung des Geschäftsführer-Postens.
In der Koalition plant man aber offenbar, den Ex-Abgeordneten Karsten Behr aus Stade zu installieren. Behr saß von 1994 bis 2008 im Landtag. Bei der Nominierung für die letzte Landtagswahl scheiterte der 44-Jährige in seinem Wahlkreis an einem CDU-Konkurrenten. Im Jahr 2004 war Behr als Kreisvorsitzender in eine Affäre um die CDU-Geschäftsstelle in Stade verwickelt. Dabei ging es um den verbotenen Einsatz einer Abgeordnetenmitarbeiterin für Parteiarbeit.
Als neue Vorstandsvorsitzende der Stiftung will Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) die frühere CDU-Abgeordnete Anneliese Zachow aus Wolfsburg vorschlagen. Sie sei als Umweltexpertin hervorragend geeignet, sagte Sander dieser Zeitung. Der Mitte März als Vorstandschef gewählte Christian Ahrens war nach nur einer Woche zurückgetreten – aus beruflichen Gründen, wie es hieß. Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel nannte die Postenbesetzung ein „absolutes Unding“. Er warf Sander vor, die Stiftung unter Kontrolle bringen zu wollen.
