HANNOVER - Die Grünen in Niedersachsen wechseln erneut ihr Führungspersonal. Nach nur einem Jahr bricht die Doppelspitze mit Dorothea Steiner und Stefanie Henneke auseinander. Steiner, seit drei Jahren im Amt, will sich künftig auf ihr Bundestagsmandat konzentrieren. Beim Landesparteitag am kommenden Wochenende in Northeim soll eine Nachfolgerin gewählt werden. Einzige Kandidatin – für die Grünen eher ungewöhnlich – ist die bisherige Landesvize Anja Piel aus Hessisch Oldendorf.
Wenn die Mehrheit der rund 150 Delegierten wie erwartet für Piel stimmt, wäre auch ein Vizeposten neu zu besetzen. Dafür gibt es nach dem jetzigen Stand zwei Bewerber. Gute Chancen darf sich der frühere Landtagsabgeordnete Hanso Janssen aus Jade (Landkreis Wesermarsch) ausrechnen. Er gilt als Experte für Umwelt- und Energiepolitik und könnte damit die Lücke füllen, die Steiners Abgang hinterlässt. Janssen kündigte im Vorfeld des Parteitags einen harten Kampf gegen die Atompolitik der CDU/FDP-Landesregierung und „unsinnige Autobahnbauten“ an. Konkurrent um den Vizeposten ist Nicolai Zipfel aus Göttingen. Der Landesvorstand besteht aus fünf Personen.
Für Anja Piel ist es nicht der erste Anlauf. Vor fünf Jahren unterlag sie beim Parteitag in Braunschweig überraschend gegen die Außenseiterin Susanne Leifheit. Zwei Jahre später zog sie als Parteivize in den Vorstand ein. Jetzt scheint Piel endlich am Ziel.
Vor einem Jahr hatte es großen Ärger um die Neuwahl der Landesspitze gegeben. Der Fraktionschef im Landtag, Stefan Wenzel, zog seine Kandidatur nach interner Kritik zurück. Die Landtagsabgeordnete Ina Korter (Nordenham) scheiterte in zwei Wahlgängen jeweils knapp an Steiner und Henneke.
Beim Parteitag in Northeim stehen die Themen Landwirtschaft, Kommunales und Atom im Vordergrund. Die Grünen erwarten durch den Endlagerstreit neuen Schub für die Anti-Atom-Bewegung. Steiner sieht gute Chancen für eine rot-grüne Mehrheit bei der Landtagswahl 2013 in Niedersachsen, hält aber auch schwarz-grüne Koalitionen in den Flächenländern für möglich. Sie kritisierte die FDP heftig und warf deren Parteichef Guido Westerwelle „Maulheldentum“ vor.
Seit sieben Monaten könne man beobachten, wie sich die Koalition aus Union und FDP im Bund auf ein Scheitern zubewege, sagte Steiner. Insgesamt ergebe sich daraus eine „interessante Situation“ für die Grünen. „Es könnte für Rot/Grün reichen – auch in Niedersachsen“, betonte Steiner, die seit 2009 für die Grünen im Bundestag sitzt.
Es müsse auch darum gehen, die ökologische Landwirtschaft in Niedersachsen in den Vordergrund zu rücken, sagte die Co-Vorsitzende Stefanie Henneke. „Ein Land, in dem sich ein Hähnchenmastbetrieb an den anderen reiht, ist auch touristisch nicht mehr attraktiv.“
