HANNOVER - Duin und Gabriel schmieden eine Allianz gegen Landeschef Jüttner. Evers-Meyer auf Platz 4 der Landesliste.
von marco seng,
redaktion hannover
HANNOVER - Ohne den Kanzler wären beim SPD-Listenparteitag in Hannover vermutlich die Fetzen geflogen. Im Vorfeld der Kandidaten-Aufstellung für den Bundestag hatte es heftigen Streit zwischen den Bezirksverbänden gegeben. Erst unmittelbar vor der Versammlung verständigten sich die Bezirksfürsten auf einen Kompromiss. Doch dann kam Gerhard Schröder und der Ärger war für einige Stunden vergessen.Und der Kanzler kam zu Fuß. Von seinem Haus im Zooviertel bis zum Congress-Centrum sind es nur rund 800 Meter. Die Rede von Hannovers Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg ging im tosenden Applaus der rund 190 Delegierten unter, als Schröder gegen elf Uhr in den Saal marschierte. An seiner Seite Weser-Ems-Bezirkschef Garrelt Duin, der kommende Mann der niedersächsischen Sozialdemokraten.
Der Kanzler bedankte sich für den herzlichen Empfang mit einer feurigen Wahlkampfrede. „Lasst uns gemeinsam kämpfen, damit es wieder so wird wie 2002“, rief er den Genossen zu. Auch damals hatte die SPD noch wenige Wochen vor der Wahl in den Umfragen hoffnungslos zurückgelegen. Heftige Angriffe richtete Schröder gegen die Union. Die Regierung Kohl mit der Ministerin Merkel habe es in den 90er Jahren verschlafen, die Wirtschaft in Schwung zu bringen und die sozialen Sicherungssystem auszubauen. „Es hieße, eine Groteske zu formulieren, wenn wir die Penner von gestern den Aufbruch von morgen gestalten lassen wollen.“ Schröder verteidigte die SPD-Pläne zu Millionärs-Sonderabgabe und Bürgerversicherung. Nicht die Eigenheimzulage sei entscheidend, sondern die Investitionen in Forschung und Bildung.
Die Delegierten verabschiedeten Schröder nach seiner knapp halbstündigen Rede mit stehenden Ovationen. „Du hast den Verstand und die Herzen erobert“, gab ihm Landeschef Wolfgang Jüttner mit auf dem Weg. Eben jener Jüttner, dem der Kanzler nach einem Streit beim Bochumer Parteitag 2003 noch gedroht hatte: „Euch mache ich fertig.“
Auch bei der Listenaufstellung hatte der neue SPD-Fraktionschef nicht viel zu lachen. Die Bezirke Braunschweig und Weser-Ems hatten mächtig Druck gemacht, um ihre Leute aussichtsreich zu platzieren. Duin war es schließlich, der mit einem Vorschlag in der letzter Minute die Versammlung rettete. Braunschweigs Bezirkschef Sigmar Gabriel, Jüttners Erzrivale, konnte drei seiner Kandidaten auf den ersten 20 Plätzen durchsetzen. Und auch Duin war am Ende zufrieden. Mit Karin Evers-Meyer (Zetel), Martin Schwanholz (Osnabrück), Gabriele Groneberg (Cloppenburg), Clemens Bollen (Ostrhauderfehn) und Dieter Steinecke (Uelsen) hat er gleich fünf Leute gut abgesichert. Eng könnte es allerdings für Gesine Multhaupt (Oldenburg) auf Rang 23 werden. Hannover musste dagegen Abstriche machen. Am auffälligsten wurde die Allianz gegen Jüttner bei der Kampfkandidatur um Platz 20. Sie verhalf dem Delmenhorster Bundestagsabgeordneten Holger Ortel zum Sieg. Die Listenplätze eins bis fünf belegen wie erwarte
Schröder, die Bundesminister Edelgard Bulmahn und Peter Struck, Evers-Meyer sowie Gabriel. Für den Ex-Fraktionschef gab es die meisten Gegenstimmen.
Die niedersächsische SPD hatte bei der Wahl 2002 25 Wahlkreise direkt gewonnen und weitere sechs Vertreter über die Liste nach Berlin schicken können. Diesmal dürften es deutlich weniger werden.
