HANNOVER - „Wulff ist fast schon wie Schröder: Bild, Bams und Boulevard“, sagt Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel in Anspielung auf die Medienvorlieben des Ex-Kanzlers. In der Landespolitik wird über die zunehmende Vermischung von Politik und Privatleben bei Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) heftig diskutiert.
Anlass für die jüngste Kritik der Grünen ist ein Interview, dass Wulff und seine Lebensgefährtin Bettina Körner einer Boulevardzeitung im Gästehaus der Landesregierung gaben. Dabei plauderten sie aus ihrem Privatleben – etwa über Schwangerschaftskurse, Glaubensfragen und anstehende Hochzeitsvorbereitungen. Wulff und Körner erwarten im Frühsommer ein Baby.
Die Grünen stört, dass Wulff das Gästehaus, in dem sonst Staatsgäste empfangen werden, für private Zwecke nutzt. Die Staatskanzlei sieht darin kein Problem. Es habe sich ja nicht um eine „Homestory“ gehandelt, erklärte Regierungssprecher Matthias Sickert. „Das Gästehaus stehe jedem Ministerpräsidenten zur Verfügung, auch als Plattform um Pressevertreter zu empfangen.“ Den Grünen reicht das nicht. Mit einer Anfrage im Landtag wollen sie klären, ob es Leitlinien gibt, die die „Bereitstellung von Räumlichkeiten und Personal des Landes für private Anlässe“ regeln. Die Lüerstraße, in der das Gästehaus liegt, benannte Wenzel symbolisch in „Boulevard Wulff“ um.
In der Vergangenheit hatte es häufiger Kritik daran gegeben, dass Wulff sein Privatleben in Boulevardzeitungen ausbreitet. Ansonsten heißt es doch aus der Staatskanzlei: „Privat ist privat“.
