HANNOVER - Die Herausforderungen bei der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen werden nach Ansicht der niedersächsischen Schreberjugend immer größer. „Kinder und Jugendliche haben mehr Probleme als noch vor zehn Jahren“, sagt der Vorsitzende des Vereins für Jugendarbeit, Umweltbildung und soziales Engagement, Nils König. „Es fehlt ihnen an selbstbestimmter Zeit, um zu spielen, zu experimentieren und die Welt zu erkunden.“

Die Schreberjugend hat ihre Wurzeln im Kleingartenwesen, ist aber nicht gleichzusetzen mit dem Schrebergartenwesen. Sie wurde 1864 in Leipzig von Moritz Schreber gegründet, um Kindern und Jugendlichen in den Städten während der Industrialisierung einerseits die Natur näher zu bringen, sie andererseits aber auch in Kreativität, Selbstbewusstsein und sozialem Handeln zu bilden.

Die Schreberjugend ist weder einer Partei angegliedert, noch konfessionell gebunden. Der Verein in Niedersachsen ist lediglich Mitglied im Landesjugendring und kämpft dort für eine effektivere Jugendarbeit. „Wir würden uns von der Politik so etwas wie einen Bürokratieabbau wünschen“, sagt König. „Es kann nicht sein, dass Vereine einen Großteil ihrer Zeit mit dem Ausfüllen von Anträgen verbringen müssen.“

Rund 2500 Mitglieder hat der Verein in Niedersachsen, an etwa 20 Standorten betreuen ehrenamtliche Helfer Kinder und Jugendliche ab sechs Jahren. „In jüngster Zeit machen wir viel Medienbildung“, sagt Sascha Neuhaus, einer der Bildungsreferenten des Vereins. „Wir zeigen den Kindern, wie sie mit sozialen Netzwerken umgehen.“ Besonders das Thema Mobbing steht bei den Jugendlichen im Fokus. Immer aktuell bleiben Themen wie Migration, Zukunftsängste oder Familienprobleme. Immer öfter kämen Kinder aus zerrütteten Familien. „Für viele sind wir schon so etwas wie Ersatzeltern“, sagt die zweite Bildungsreferentin Susanne Martin.

Neben der täglichen Arbeit vermittelt der Verein auf Exkursionen seine Werte: In den Oster- und Herbstferien fahren die Betreuer mit Kindern in den Harz. „Wir versuchen, durch das Erleben der Natur ein Umweltbewusstsein herzustellen“, sagt Martin. „Viele Kinder erleben bei uns zum ersten Mal, wie es in einem Wald aussieht.“