Hannover - Der von Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) vorgelegte Stufenplan zur Aufnahme des Schulbetriebs in Niedersachsen ist auf ein geteiltes Echo gestoßen. Lob gab es aus Reihen der Politik, Bedenken von Eltern, Lehrern und Schülern.
Die Grünen-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Julia Hamburg, sagte: „Die langsame, in Kleingruppen stattfindende Öffnung der Schulen ist richtig.“ Hamburg forderte, Kinder mit Förderbedarfen und ihre Eltern stärker in den Blick zu nehmen. Björn Försterling, bildungspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion, würdigte den Fahrplan für den Präsenzunterricht. Die Landesregierung müsse aber jetzt dafür sorgen, dass gute digitale Angebote für das Lernen im häuslichen Umfeld vorliegen.
Nachbesserungsbedarf sieht der AfD-Bildungsexperte Harm Rykena (Ahlhorn): „Der Schulbeginn für die 1. und 5. Klassen liegt mit Mitte Juni sehr spät.“ Zudem sei unklar, wie viele Stunden pro Tag unterrichtet werden müssen.
Bei den Eltern überwiege die große Sorge um die Gesundheit ihrer Kinder, sagte Cindy-Patricia Heine (Göttingen), Vorsitzende des Landeselternrats, unserer Zeitung. „Viele wären vermutlich bereit, ihre Kinder zu Hause zu lassen.“ Daher sei der Plan, die Kinder in 14-tägigen Abständen zur Schule zu lassen, richtig. Denn im Fall von nur einer Infektion müsse im Ernstfall die gesamte Schule geschlossen werden. Heine forderte: Jedes Kind muss jetzt so schnell wie möglich mit einem digitalen Endgerät ausgestattet werden.“ Am besten wäre es, die gleichen Tablets anzuschaffen.
Franz-Josef Meyer, Landesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) forderte, die Mindeststandards bei der Gestaltung der Klassenräume und den Hygieneregeln klar zu definieren: Dazu gehörten die Ausstattung der Sanitäranlagen, Angaben zur Abstandswahrung in den Schulräumen, Regelungen für die Pausengestaltung und Lösungen für den Schülertransport.
Der niedersächsische Schülerrat sieht das Festhalten an den Schulabschlussprüfungen in der Corona-Krise kritisch. „Wir bezweifeln, dass eine wirklich faire Durchführung des Abiturs und anderer Abschlüsse möglich ist“, sagte der Vorsitzende Florian Reetz.
