HANNOVER - Hat Eberhard Brandt die Schule geschwänzt oder ist er Opfer einer Kampagne? Die schweren Vorwürfe gegen den Gewerkschaftschef und Lehrer sorgen in Hannover weiter für große Aufregung. Am Donnerstag wies Brandt in einer Pressekonferenz alle Anschuldigungen zurück. Gegen den Vorsitzenden der Lehrergewerkschaft GEW läuft ein Disziplinarverfahren, weil er angeblich seiner Unterrichtsverpflichtung nicht nachgekommen ist.
„Ungeheuerlicher Vorgang“
Brandt sprach von einem „ungeheuerlichen Vorgang“. Er warf der CDU/FDP-Landesregierung vor, ihm „bewusst eine Falle gestellt“ zu haben. Er habe als Lehrer in der Vergangenheit Überstunden auf- und wieder abgebaut. Alles sei sauber dokumentiert. Auch die SPD forderte eine Einstellung des Disziplinarverfahrens. Nach Angaben von Brandts Anwalt Karl Otte geht es um ein Minus von 60 Stunden bis zum Ende des Schuljahres 2007/2008. Die Landesschulbehörde spricht von 66,5 Stunden und wirft dem Gewerkschaftschef zudem vor, in diesem Schuljahr seine Verpflichtungen nicht erfüllt zu haben.
Minusstunden im Rahmen
Otte hält dagegen, dass Brandts Minusstunden keineswegs den üblichen Rahmen überschreiten. Als Mitglied des Hauptpersonalrats stehen Brandt rechtlich Freistellungsstunden zu. Zudem können sich leitende Gewerkschaftsfunktionäre einen Teil ihrer Arbeitszeit auf die Gewerkschaft übertragen lassen, die dafür dem Land die anteiligen Kosten erstattet.
Der GEW-Chef räumte ein, dass er einen entsprechenden Antrag in diesem Schuljahr zu spät gestellt hat. Er kann sich nicht erinnern, wann er zuletzt unterrichtet hat. Brandt wirft dem Kultusministerium bewusste Verzögerung vor. Der Antrag sei erst nach vier Monaten abgelehnt worden.
Der Gewerkschafter gilt als großer Kritiker von Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann (CDU). Er hat Strafantrag gestellt, weil offenbar interne Vermerke aus Landesbehörden den Medien zugespielt wurden.
