HANNOVER - Alle Lehrerverbände an einem Tisch, das gab es in Niedersachsen in dieser Form wohl noch nicht. Der Vorsitzende des Philologenverbandes, Guillermo Spreckels, kann sich an eine Demonstration in den 80er Jahren erinnern. Damals sei es auch um Arbeitszeitregelungen gegangen, sagte er am Montag in Hannover. Der Landeschef der Lehrergewerkschaft GEW, Eberhardt Brandt, nannte es ein „historisches Novum“, dass die Lehrer gemeinsam Front gegen eine Landesregierung machen. Ob Gymnasial-, Realschul-, Berufsschul- oder Grundschullehrer – sie alle eint die Wut über die von Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann (CDU) geplante neue Überstundenregelung. Danach können die Lehrer ihre in den vergangenen zehn Jahren angesammelten Überstunden erst unmittelbar vor dem Ruhestand ausgleichen.
„Dieser Entwurf muss zurückgezogen werden“, betonte Spreckels am Montag noch einmal. Die Verbände hätten die Ministerin rechtzeitig darum gebeten, die „Zeitbombe“ zu entschärfen. Brandt rügte Ministerpräsident Christian Wulff (CDU). Dieser tauche in dem Streit offenbar ab. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) kritisierte: „Dass die Kultusministerin als Alternative zu der langfristigen Verschiebung mit einer Arbeitserhöhung droht, ist wohl der Gipfel der Unverschämtheit.“
Die Lehrer sehen bei der Regierung bisher kein Anzeichen für ein Einlenken. Sie wollen deshalb am 8. Mai vor dem Kultusministerium demonstrieren. Mehr als 6000 Pädagogen werden dann erwartet. Die Verbände drohen mit Klagen, falls es bei der Regelung bleibt.
Die Koalition hat für den heutigen Dienstag eine Pressekonferenz angekündigt. Dabei soll es aber offenbar in erster Linie um die Neugründung von Gesamtschulen gehen. Auch nach der Änderung des Schulgesetzes soll das offenbar nur eingeschränkt möglich sein – vor allem in den Städten.
Zunächst war geplant, dass die Fraktionschefs David McAllister (CDU) und Philipp Rösler (FDP) mit Heister-Neumann vor die Presse treten. Doch beide sagten ab und schickten ihre Schulexperten nach vorne. In der Koalition wachsen die Irritationen über die Ministerin.
