HANNOVER - Das Virus soll nicht erst im Hühnerstall entdeckt werden. Der Nabu übt Kritik an der Aktion.
Von Stephanie Pröve
HANNOVER - Es ist still. Der Jäger konzentriert sich auf ein Tier zwischen hunderten, legt das Gewehr an, zielt und schießt. Wildes Geflatter folgt, doch nach kurzer Zeit ist klar: Der Schuss war ein Treffer. Fast alle Enten sind davon geflogen. Eine liegt leblos am Boden. Als Probe wird sie an das Veterinäramt geschickt und auf den gefährlichen Vogelgrippe-Virus des Typs H5N1 untersucht.Damit soll eine Ausbreitung der Seuche frühzeitig erkannt werden.
„Uns ist es lieber, einzelne Tiere zu schießen, als das Virus erst im Hühnerstall zu entdecken“, sagt der Sprecher der Landesjägerschaft Niedersachsen, Detlev Kraatz. So leisteten die Jäger ihren Beitrag zur Seuchenvorsorge. Allerdings würden nicht viel mehr Tiere geschossen als sonst, meint Kraatz. In Niedersachsen seien im vorigen Jahr 150 000 Wildenten und 6700 Wildgänse geschossen worden. „Da fallen die 450 angeordneten Proben zahlenmäßig kaum ins Gewicht.“ Die toten Enten werden im Rahmen des so genannten Monitoring – der Überwachung – untersucht. Mit Beginn der Vogelflugzeit hatte das niedersächsische Landwirtschaftsministerium Mitte September dieses Frühwarnsystem landesweit angeordnet. Gleichzeitig wurde in weiten Teilen Niedersachsens ein Freilandverbot für Geflügel ausgesprochen.
Nach dem Fund des gefährlichen Vogelgrippe-Virus H5N1 in der Türkei prüft das Landwirtschaftsministerium in Niedersachsen, die Haltung von Geflügel im Freien für das ganze Land zu verbieten. „Wir müssen sehen, wie sich die Sicherheitslage entwickelt, und was die anderen Bundesländer machen“, sagte ein Ministeriumssprecher am Donnerstag. Er rechne für Anfang kommender Woche mit einer Entscheidung. Seit einem Monat muss Geflügel in vielen Landkreisen im Stall gehalten werden.
Der Naturschutzbund (Nabu) hält den Abschuss von Wildvögeln zum Auffinden des Vogelgrippe-Virus für unnötig. Für Kontrollproben aus Wildvögeln die Schutzzeiten aufzuheben und in geschützten Gebieten zu jagen, sei überzogen, kritisierte die Organisation am Donnerstag in Hannover. „Die mit Abstand größte Gefahr geht von Tiertransporten und illegalen Einfuhren von Vögeln aus“, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke.
Der Vizepräsident des Zentralverbandes der deutschen Geflügelwirtschaft, Wilhelm Hoffrogge, hat die Forderung erneuert, „jetzt flächendeckend alle Tiere einzusperren. Alles andere wäre ein Spiel mit dem Feuer“.
Aus Angst vor der Vogelgrippe decken sich die Deutschen verstärkt mit Grippemitteln ein. „Die Nachfrage war in den letzten Wochen extrem hoch“, sagte die Geschäftsführerin Pharmazie bei der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), Christiane Eckert-Lill. Allein im August seien 79 000 Packungen verschreibungspflichtige Grippemedikamente wie Tamiflu verkauft worden.
