Hannover - Hannover droht am Wochenende der Ausnahmezustand: Völlig unpassend zur Eröffnung des riesigen Weihnachtsmarktes in der Innenstadt führt die AfD ihren Bundesparteitag im nicht weit entfernten Zooviertel durch. Beide Veranstaltungen zusammen versprechen ein maximales Verkehrschaos mit kilometerlangen Staus. Die Polizei rät dringend, auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen: „Wir gehen von erheblichen Verkehrsstörungen aus“, sagt Uwe Lange von der Polizeidirektion (PD) Hannover. Denn auch Bahnen und Busse können steckenbleiben.

Das hannoversche Congress Centrum (HCC) wird in jedem Fall wohl einer Festung gleichen. Die Sicherheitskräfte reagieren mit einem Riesenaufgebot angesichts der zahlreichen Gegendemonstrationen, die sich angekündigt haben. Darunter fallen auch gewaltbereite Linke.

Erinnerungen drängen sich auf an den letzten AfD-Bundesparteitag in Köln vor wenigen Monaten. Die Rhein-Metropole befand sich ein Wochenende lang im Ausnahmezustand. Mehr als 10 000 Demonstranten zogen durch die Innenstadt und belagerten das Maritim Hotel am Rhein. Die 516 AfD-Delegierten erwartete einen Spießruten-Lauf. Schwere Räumpanzer standen in Stellung.

In Hannover will die Polizei nichts zu den eingesetzten Kräften sagen. Werden es 4000 wie in Köln? Tatsächlich müssen Einsatzhundertschaften aus anderen Bundesländern die niedersächsischen Kräfte unterstützen. Hinzu kommen noch Bundespolizisten. In jedem Fall plant die Einsatzzentrale der Polizeidirektion „erhebliche Absperrungen im Zoo-Viertel“, bestätigt Chefeinsatzleiter Lange. Die Bürger wurden schon im Vorfeld ausführlich informiert. Als US-Präsident Obama bei seinem letzten Besuch in Hannover auch durchs Zooviertel fuhr, durften sich die Anwohner noch nichts mal in den Fenstern blicken lassen.

Diesmal dürfen sie raus – bis zu nächsten Polizeisperre. Halteverbotszonen riegeln den Ort des Parteitags ab. Die Sicherheitskräfte wollen die über 600 Delegierten und rund 500 angemeldeten Gästen von den Gegendemonstranten abschirmen – notfalls auch mit Gewalt. Scharmützel soll es nach Möglichkeit nicht geben. PD-Experte Lange stellt sich aber mit seinen Beamten „auf Störaktionen ein“. Die Grüne-Jugend kündigt bereits Blockaden an. „Während die Stadt Hannover untätig ist und die AfD schon wieder in ihren Hallen zu Gast hat, werden wir aktiv. Wir werden uns den Rassisten in den Weg stellen und rufen alle Menschen dazu auf, den Bundesparteitag zu blockieren“, heißt es. Auf der anderen Seite will die Polizei garantieren, dass Gegendemonstrationen ungestört stattfinden können. Sechs Veranstaltungen wurden angemeldet. Die Organisatoren erwarten 8500 Teilnehmer.

Der erste Protestzug gegen die AfD formiert sich bereits am Freitag in der Nordstadt. Das Motto der Gegenaktionen: „Kein Rechtsruck in Hannover – bunt und solidarisch.“ Am Samstag startet die größte Protestbewegung um 9 Uhr am Theodor-Heuss-Platz. Von dort aus wollen die Demonstranten durch das Zooviertel am HCC vorbei in die City ziehen. Am Georgsplatz treffen sie auf eine vom DGB veranstaltete Kundgebung.

Unterdessen könnte der höchst umstrittene niedersächsische AfD-Landesvorsitzende Armin Paul Hampel sein persönliches Waterloo auf dem Bundesparteitag erleben. Bisher gehört der hochehrgeizige Ex-ARD-Korrespondent der Bundesführung als Beisitzer im Vorstand an. Doch ebenso wie in Niedersachsen wächst in der Bundespartei die Zahl der Hampel-Gegner. Nach Informationen dieser Zeitung hat Hampel noch keine Kandidatur angemeldet, trotz fast 30 Bewerbern. Auch in Niedersachsen droht Hampel der Absturz. Eine breite Mehrheit will den Landesvorsitzenden aus dem Amt drängen.