HANNOVER - Die Auszählung der Stimmen dauerte länger als zunächst geplant. Die SPD hat zukünftig drei Fraktionsvize im Landtag.

von marco seng,

redaktion hannover

HANNOVER - Es dauert länger als erwartet: Mehr als eine Stunde zählte die SPD Stimmen aus, wurde die rote Wahlurne zwischen Fraktionssaal und Büro des scheidenden Fraktionschefs Sigmar Gabriel hin und her geschleppt. Erst gegen halb vier Uhr hieß es schließlich: „Wir haben einen neuen Fraktionsvorstand.“

An der Spitze steht, wie nicht anders zu erwarten, Wolfgang Jüttner. 47 von 58 Abgeordneten stimmten für den 57-jährigen Hannoveraner, neun gegen ihn. „Der richtige Mann, die richtige Entscheidung“, jubelte Vorstandsmitglied Heike Bockmann (Oldenburg) unmittelbar nach der Wahl.

Auch andere Abgeordnete äußerten sich zumeist wohlwollend. Und selbst das Gabriel-Lager hat die Wachablösung inzwischen akzeptiert. Man freue sich nicht, wenn man eine „Kampfmaschine“ wie Gabriel verliere, kommentierte Klaus-Peter Bachmann (Braunschweig). Das spreche aber nicht gegen Jüttner. Die Querelen der vergangenen Wochen waren in der Fraktionssitzung kein Thema mehr. Auch das leidige Thema Spitzenkandidatur 2008 wurde ausgeblendet.

Der neue Fraktionschef richtete den Blick trotzdem nach vorne. Die SPD gehe jetzt mit Schwung in die zweite Hälfte der Wahlperiode. „Wir wollen 2008 die politische Mehrheit zurück.“ Dafür müsse aber noch viel getan werden. Der Noch-Landeschef bekam weniger Stimmen als Gabriel bei seiner Wahl vor zwei Jahren, sah das aber gelassen. 81 Prozent seien ein ordentliches Ergebnis, meinte der bisherige Fraktionsvize.

Jüttner hatte die Fraktion zuvor hinter geschlossenen Türen auf seine Amtszeit eingestimmt. „Ihr kennt mich, ihr wisst, was ihr an mir habt. Die Stärken setze ich ein, die Schwächen gleicht ihr aus“, soll er nach Angaben von Abgeordneten gesagt haben. Sein Erzrivale Gabriel, dem ein sicherer Listenplatz für die Bundestagswahl garantiert ist, wollte von endgültigem Abschied aus Niedersachsen nichts wissen. Er werde Bundes- und Landespolitik enger verzahnen, teilte er mit. Bei seiner letzten Landtagssitzung im September will der einstige Spitzenmann in der letzten Reihe des Plenums Platz nehmen. Dort habe er einst angefangen.

Die Zahl der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden wurde von eins auf drei aufgestockt. Jüttners Begründung: Er wolle mehr als bisher auf Teamarbeit setzen. Für den Bezirk Weser-Ems sitzt künftig Karin Stief-Kreihe (Meppen) in der zweiten Reihe. Weitere Vize sind Ex-Innenminister Heiner Bartling (Rinteln) und Gabriele Andretta (Göttingen). Den Vorstand komplettieren Ingrid Eckel (Wolfsburg) als neue schulpolitische und Günter Lenz (Wedemark) als neuer wirtschaftspolitischer Sprecher.

Im Herbst will Jüttner den Landesvorsitz an den Bezirkschef von Weser-Ems, Garrelt Duin, abgeben. Damit soll eine Ämterhäufung vermieden werden. Die Landtagsarbeit der SPD werde ohne Gabriel unspektakulärer, räumte Jüttner ein – aber qualitativ nicht schlechter.