HANNOVER - Bei der SPD in Niedersachsen war eigentlich alles ganz anders geplant. Die Altgedienten in Partei und Fraktion klebten an ihren Posten, die Aufstrebenden stellten sich brav hinten an. Doch nach dem überraschenden Rückzug von Landeschef Garrelt Duin (Hinte) geht alles ganz schnell.
Plötzlich teilen zwei junge Landtagsabgeordnete die Macht unter sich auf. Durch die Regionalkonferenzen wurden Olaf Lies (Sande) und Stefan Schostok (Hannover) innerhalb weniger Wochen bekannt in Niedersachsen. Jetzt sind beide fast am Ziel. Doch die Posten werden wohl anders verteilt als erwartet. Denn Außenseiter Lies, den viele lieber als Fraktionschef gesehen hätten, wird wohl Ende Mai beim Parteitag in Stade zum Landesvorsitzenden gewählt. Der Landesvorstand hat ihn am Freitag in Hannover einstimmig nominiert. Schostok zog seine Kandidatur wie erwartet zurück. Auch die dritte Kandidatin, Monika Griefahn, gab auf. Schostok soll Landes-Vize werden, ebenso wie die Bezirksvorsitzende Weser-Ems, Johanne Modder (Bunde).
Der mächtige Bezirk Hannover, der auf einen „Durchmarsch“ von Schostok gehofft hatte, sah sich plötzlich zu Kompromissen gezwungen. Hannover akzeptiert Lies, wenn Weser-Ems und Braunschweig Schostok als Fraktionschef mittragen. Das neue SPD-Tandem, mehrheitlich gewünscht, hat sich auf diese Lösung geeinigt, um eine Spaltung der Partei zu verhindern.
Allerdings mehren sich jetzt Stimmen in Weser-Ems und Braunschweig, die ihrerseits einen „Durchmarsch“ von Lies fordern. „Er muss auch Fraktionschef werden“, sagen Abgeordnete. Sie bezweifeln, dass Schostok als Oppositionsführer CDU-Fraktionschef David McAllister Paroli bieten könnte.
Der bisherige Fraktionschef Wolfgang Jüttner hat mit seinem angekündigten Rückzug in dieser Woche den Weg für eine neue Fraktionsspitze frei gemacht. Schostok hatte bereits im Herbst 2009 Jüttner als Bezirkschef von Hannover abgelöst.
Die Entscheidung, wie es in der Fraktion weitergeht, könnte bereits an diesem Wochenende bei der zweitägigen Klausur in Lüneburg fallen. Es wird damit gerechnet, dass die Wahl des neuen Fraktionsvorstandes vorgezogen wird. Sie war ursprünglich für den 31. August geplant.
Mit ihren neuen Ämtern wären Lies und Schostok mögliche Spitzenkandidaten und Wulff-Herausforderer bei der Landtagswahl 2013.
