HANNOVER - Vor dem Finale der Kandidatenkür wächst bei der SPD in Niedersachsen die Spannung. An diesem Wochenende fällt bei den Regionalkonferenzen in Aurich und Göttingen möglicherweise die Vorentscheidung über den künftigen Landeschef der Partei. Nach acht von zehn Konferenzen führt Olaf Lies (Sande) mit sechs zu zwei Siegen gegen Stefan Schostok (Hannover). Bei den Stimmen steht es 1017 zu 925 für Lies. Kandidatin Nummer drei, Ex-Umweltministerin Monika Griefahn (Harburg), hat mit bisher 337 gesammelten Stimmen keine Chance mehr.

SPD-Landesgeschäftsführer Michael Rüter betonte am Donnerstag, dass die „absolute Zahl der Stimmen“ über den Sieger im Duell der Landtagsabgeordneten entscheide. Der Landesvorstand will am kommenden Freitag eine Empfehlung für den Parteitag am 29. Mai in Stade abgeben. Dort wählen 200 Delegierte den Landeschef. Das Votum der Mitglieder ist nicht bindend. Laut Rüter wird der Vorstand, dem Lies als Landesvize angehört, sich bei einem deutlichen Vorsprung von über 150 Stimmen für einen Kandidaten aussprechen. „Bei einem Kopf an Kopf-Rennen nicht.“

Darauf läuft es allerdings wohl hinaus. In Aurich werden heute Abend rund 500 Parteimitglieder erwartet. Lies ist in seinem Heimatbezirk Weser-Ems klarer Favorit. In Göttingen, das zum Bezirk Hannover gehört, an diesem Sonnabend dürften es kaum weniger Teilnehmer sein. Hannover hat bereits kostenlose Busse gechartert. Dort wird mit einem deutlichen Vorsprung für Schostok gerechnet. In der Endabrechnung könnte es also knapp werden.

Der als Favorit ins Rennen gegangene Schostok wehrt sich gegen Vorwürfe aus Weser-Ems, seine Anhänger würden busseweise nach Göttingen gekarrt, um die Niederlage in letzter Minute zu verhindern. In Hannover heißt es, Lies gehe in Weser-Ems nicht anders vor.

Zünglein an der Wage könnte Griefahn werden. In der SPD rechnen viele damit, dass sie trotz des deutlichen Rückstands in den Konferenzen beim Parteitag antritt. Bei drei Kandidaten wäre im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit der 200 Stimmen nötig. Im zweiten Wahlgang reiche die einfache Mehrheit, betonte Rüter. In der Partei geht man davon aus, dass Griefahn eher Schostok Stimmen kosten könnte. Die Ex-Bundestagsabgeordnete hofft möglicherweise auf einen Posten als Parteivize.

Nach dem Delegiertenschlüssel hätten Hannover und der Bezirk Nordniedersachsen beim Parteitag mit 110 Stimmen die Mehrheit. Das würde eher für Schostok sprechen. Weser-Ems und Braunschweig mit ihren 90 Stimmen dürften fast geschlossen hinter Lies stehen. Die Wahl des Parteichefs könnte auch ein Fingerzeig für die Spitzenkandidatur bei der Landtagswahl 2013 sein.