Hannover/Thüle - Wo könnte man im Frühjahr hingehen, wenn es langsam warm wird, für den Strand aber noch zu kühl ist? Natürlich, in den Zoo! Wegen Corona ist in diesem Jahr allerdings alles anders – Zoos, Tier- und Freizeitparks sind in Niedersachsen geschlossen, anders als in einigen anderen Regionen Deutschlands. Viele Tierparks und Zoos stehen mit dem Rücken zur Wand.
Erlebnis-Zoo Hannover
Eigentlich ist das Frühjahr für einen Zoo besonders wichtig, vor allem die Osterferien zählen. Doch in diesem Jahr: „Wir rutschen auf Null herunter“, sagt Andreas Casdorff, Geschäftsführer eines der größten Zoos in Deutschland mit rund 26 Millionen Euro Umsatz. Jeder Tag koste im Zoo etwa 63 000 Euro, in der Gastronomie seien es mehr als 20 000 Euro. Die Einnahmen seien um gut 85 Prozent eingebrochen. Und: Den Tieren fehle der „positive Stress“ durch die Besucher.
Außerdem vermisst er Planungssicherheit, die Entscheidungslage in Deutschland werde immer diffuser – in einigen Bundesländern sei die Teil-Öffnung der Zoos möglich. Darauf hofft auch Casdorff: „Wir bereiten uns auf die Chance vor, dass wir vielleicht wieder öffnen dürfen.“ Doch bis dahin sind die Hälfte der Beschäftigten in Kurzarbeit. Aber: Dank Spenden und Tierpatenschaften komme der Zoo jährlich auf bis zu 500 000 Euro – und diese Unterstützung nehme gerade deutlich zu.
Tierpark Thüle
„Wenn das so weitergeht, brauchen wir uns um die zoologische Landschaft in Deutschland keine Gedanken mehr zu machen“, meint Geschäftsführerin Alexandra Grothaus. Je länger sich die Landesregierung gegen eine teilweise Öffnung sträube, „desto schwieriger wird es für uns“. Der Tierpark komme aus der Winterpause, lebe vom saisonalen Geschäft und: „Jeder Euro, der heute nicht verdient wird, fehlt dann wieder im Winter.“ Bisher belaufe sich der Umsatzrückgang auf eine Million Euro. Die 80 Mitarbeiter seien alle in Kurzarbeit, es habe erste Entlassungen gegeben.
Dabei sei der Tierpark Thüle auf eine Teilöffnung vorbereitet – Desinfektionsmittel, Spuck- und Mundschutz seien da. Doch selbst bei einer teilweisen Öffnung würden keine vergleichbaren Summen wie früher zusammenkommen, weil Schulklassen und Gruppenreisen ausfielen. Immerhin gibt es Hilfe, Tierpatenschaften hätten „definitiv“ zugenommen: „Wir haben gemerkt, wir sind den Menschen nicht egal.“
Zoo Osnabrück
„Unsere finanzielle Lage ist sehr ernst“, sagt eine Zoo-Sprecherin. Zu 75 Prozent finanziere sich der Zoo aus Besucherentgelten. Im März 2019 kam der Zoo auf Eintrittserlöse von 375 000 Euro, 2020 wegen der Schließung Mitte des Monats nur auf 190 000 Euro. Im April 2019 lagen die Einnahmen aus Eintrittskarten bei über einer Million Euro, in diesem Jahr fielen sie ganz aus. Von den 182 Mitarbeitern seien 95 in Kurzarbeit.
Für die Versorgung der rund 2200 Tiere fielen im Monat Kosten von etwa 290 000 Euro an – insgesamt beliefen sich die monatlichen Ausgaben auf rund 500 000 Euro. Die Stadt Osnabrück habe aber zugesagt, Spenden bis zu einer Gesamtsumme von einer Million Euro zu verdoppeln.
Tierpark Nordhorn
Ernst, aber nicht hoffnungslos sei die Lage im Tierpark Nordhorn, sagt Leiter Nils Kramer. Von den 170 Mitarbeitern seien die meisten seit April in Kurzarbeit – die Tierpflege arbeite abwechselnd in vier Teams. „Jeder Mitarbeiter der Tierparkfamilie trägt seinen Teil zur Bewältigung dieser großen Herausforderung bei, deshalb habe ich nicht vor, auch nur einen Arbeitsplatz an Corona zu verlieren“, betont Kramer. Bei 2000 Tieren fielen täglich Kosten von mehr als 10 000 Euro an.
Der Tierparkleiter hofft auf eine teilweise Öffnung – ein Zoobesuch sei nicht anders zu werten als ein Spaziergang an der frischen Luft, Abstandsregeln könnten eingehalten werden. Positiv: Allein über Ostern seien fast 25 Prozent mehr Tierpatenschaften gewonnen worden.
