HANNOVER - Der Organspendenskandal ist noch nicht ausgestanden, da gibt es neue Warnmeldungen. Immer mehr rettende Spenderorgane werden im Schnellverfahren an todkranke Patienten vergeben. Während die Opposition und Patientenschützer besorgt reagierten und Aufklärung forderten, versuchen Transplantationskliniken zu beruhigen.
„Dass es dieses Verfahren gibt, finde ich überhaupt nicht schlimm“, sagte der Sprecher der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), Stefan Zorn. Viele Patienten könnten dadurch gerettet werden. Nach Angaben von Zorn muss die Entscheidung über eine Transplantation innerhalb weniger Stunden getroffen werden. Die Stiftung Eurotransplant, die für die Verteilung der Organe zuständig sei, würde zunächst nach Warteliste vorgehen. Bei zwei oder drei Absagen von Kliniken bliebe Eurotransplant nur noch, eine Lunge über das Schnellverfahren den Transplantationszentren wie der MHH anzubieten.
Die Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung sieht das Verfahren dagegen anfällig für Manipulationen und forderte Aufklärung über den Anteil der Privatzahler und ausländische Organempfänger. Die Grünen im Bundestag verlangten mehr Transparenz.
Unterdessen wachsen die Befürchtungen, die Spendenbereitschaft könne durch die Vorfälle in Göttingen und Regensburg sinken. „Für die Organspende und Transplantation sind Vertrauen und Transparenz die entscheidenden Parameter“, erklärte die Deutsche Stiftung Organtransplantation.
Der Vorstandschef der Krankenkasse KKH-Allianz, Ingo Kailuweit, forderte Ärzteschaft, Krankenhäuser, Politik und auch Krankenkassen auf, „sich umgehend an einen Tisch zu setzen, um verschärfte Überwachungsstrategien und Sicherheitsvorkehrungen für die Organvergabe aufzustellen.“ Die Vorfälle müssten bis ins Detail aufgeklärt werden. Auch am Klinikum Oldenburg zeigte man sich besorgt über die Auswirkungen des Skandals. „Das ist ein Schlag ins Gesicht“, sagte der Transplantationsbeauftragte Samuele Friggi.
