HANNOVER - Der TÜV weiß nichts von gravierenden Sicherheitsmängeln. Ausschusschef Noack hat Verständnis für die Version.
von Marco Seng,
Redaktion Hannover
HANNOVER - Der TÜV will nicht den Schwarzen Peter beim Transrapid-Unglück. Im Untersuchungsausschuss des Landtags wiesen TÜV-Vertreter am Freitag Vermutungen über Schlampereien bei der Überwachung der Versuchsstrecke im Emsland zurück. Die Kontrolleure sehen die Schuld vielmehr beim Personal in Lathen. Nach ihrer Ansicht hat möglicherweise die falsche Auslegung einer Sicherheitsvorschrift den Unfall mit 23 Toten verursacht. „Wenn alle Regeln eingehalten worden wären, hätte der Unfall nicht passieren können“, sagte Winfried Steinert vom TÜV Rheinland.Der TÜV hielt nach eigenen Angaben das Aktivieren der Blocksicherung zum Verhindern von Zusammenstößen für zwingend erforderlich. Der Betreiber IABG habe das aber anscheinend nur als Empfehlung gesehen, hieß es. Die Blocksicherung sieht vor, dass im Leitstand eine Sperre für einen Streckenabschnitt eingeschaltet wird, sobald dort ein Fahrzeug eingefahren ist. Dies verhindert das Hereinfahren weiterer Züge. Wäre die Sicherung aktiviert gewesen, hätte es vor dem Zusammenstoß des Transrapid mit einem Werkstattwagen eine automatische Notbremsung gegeben, sagte Steinert.
Nach Ansicht des TÜV hätten zudem beide Zugführer im Leitstand sein müssen. Einer war jedoch im letzten Wagen, er überlebte das Unglück. „Der TÜV ist davon ausgegangen, dass das, was er angeordnet hat, auch eingehalten wurde“, sagte Ausschusschef Harald Noack (CDU) dieser Zeitung.
Nach Angaben des TÜV sind bei den jährlichen Kontrollen der Transrapid-Anlage keine Sicherheitsprobleme festgestellt worden. Die gravierenden Sicherheitsmängel, auf die das Eisenbahnbundesamt zwischen 2002 und 2004 hingewiesen hat, habe es so nicht gegeben. Noack vermutet wirtschaftliche Interessen hinter den Vorwürfen. Das Bundesamt sei an der Aufsicht über die Versuchsstrecke interessiert gewesen. „Es ging um die Vorbereitung des Projekts in München.“
