HANNOVER - Im Untersuchungssausschuss ging es um die Fahrsperren. Der TÜV gerät immer mehr in die Kritik.

Von Marco Seng,

Redaktion Hannover

HANNOVER - Der Auftrag ist klar formuliert: Der Untersuchungsausschuss des Landtags zum Transrapid-Unglück soll mögliche politische Versäumnisse aufklären. Der Bahnexperte Thomas Siefer von der Universität Hannover stützte am Montag mit seinen Aussagen die Vermutung der Opposition, dass es an den Sicherheitsvorkehrungen auf der Versuchsstrecke im Emsland gehapert hat.

Siefer kritisierte, dass es kein spezielles Sicherheitssystem für Fahrten mit Besuchern gab. „Ich hätte meine Studenten nicht dem Risiko ausgesetzt, wenn ich das gewusst hätte.“ Der Chef des Instituts für Verkehrswesen war nach eigenen Angaben mit seinen Seminaren regelmäßiger Gast in Lathen.

Siefer bemängelte, dass Fahrsperren zur Verhinderung von Kollisionen auf der Anlage nur durch das Personal manuell eingeschaltet werden. Im Testbetrieb ist das nach seiner Ansicht sinnvoll, bei Besucherfahrten dagegen gefährlich. Es müsse zudem ein Sicherheitssystem installiert werden, das verhindere, dass sich ein Wartungswagen zeitgleich auf der Strecke befinde. Bei dem Zusammenstoß zwischen dem Transrapid und einem Wartungswagen waren im September vorigen Jahres 23 Menschen ums Leben gekommen.

Siefer sieht die Versäumnisse offenbar eher beim TÜV, der für die Sicherheit der Teststrecke zuständig ist, als beim Verkehrsministerium. Die Politik müsse sich auf die Experten verlassen können. Hans-Peter Balfanz, Ex-Mitarbeiter des TÜV Nord, verwies darauf, dass der Mensch nur in Verbindung mit technischen Systemen für eine höhere Sicherheit sorgen könne. Ballfanz wurde als zweiter Zeuge gehört.

SPD und Grüne sehen sich durch die Experten in ihrer Kritik am Sicherheitskonzept bestätigt. „Völlig unverständlich bleibt, wieso der TÜV trotz dieser Erkenntnisse nicht gehandelt hat“, sagte SPD-Obmann Gerd Will. Für CDU und FDP haben die Aussagen die Landesverkehrsbehörde und damit den verantwortlichen Verkehrsminister Walter Hirche (FDP) entlastet. Mit Spannung erwarten die Fraktionen jetzt den Auftritt des TÜV am Freitag.