HANNOVER - Immer wieder in der Ferienzeit stellt sich in Niedersachsen die große Frage: Wer führt eigentlich das Land? Natürlich der Ministerpräsident, wäre die logische Antwort. Doch weil regieren sehr anstrengend ist und Christian Wulff auch mal Urlaub machen muss, braucht er einen Stellvertreter. Der heißt Philipp Rösler, ist im Hauptberuf Wirtschaftsminister und ganz nebenbei auch Vize-Regierungschef. Wenn der CDU- und der FDP-Politiker aber zur gleichen Zeit Urlaub machen, ist guter Rat teuer.
An Ostern ist das der Fall. Wulff und Rösler haben sich für die kommende Woche abgemeldet. Wer wird denn nun „Ersatz-Ministerpräsident“? wollten Journalisten von Regierungssprecher Matthias Sickert wissen. Der hatte schnell eine Antwort: Finanzminister Hartmut Möllring (CDU). Wenn er rechtzeitig aus dem Ski-Urlaub zurückkommt, könnte er die Amtsgeschäft übernehmen.
Stimmt aber gar nicht, wie sich schnell herausstellte. Möllring ist nach den Regularien der Landesregierung offenbar der Vertreter von Rösler, aber kein Kandidat für den Posten des Aushilfs-Regierungschefs. Eine Frau soll es auch nicht werden. Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann (CDU) dürfte mit der Schulpolitik sowieso genug Ärger am Hals haben.
Nein, die Regierungsgeschäfte muss der derzeit älteste Minister des Landes übernehmen. Das war bis Februar Walter Hirche (FDP). Doch der Ex-Wirtschaftsminister hat sein Amt aus Altersgründen aufgegeben und die Verantwortung in die Hände von Jüngeren gelegt.
So darf ab Montag der Umweltminister die Staatskanzlei mit unter seine Fittiche nehmen. Hans-Heinrich Sander ist FDP-Politiker, 63 Jahre alt und durchaus vertraut mit der politischen Höhenluft. Bereits in den vergangenen Jahren sprang er gelegentlich ein, wenn Wulff und Hirche sich eine Auszeit gönnten. Und weil Sander seit langem skandalfrei ist, hat auch niemand Bedenken, ihm das Zepter in die Hand zu geben.
Bliebe noch nachzutragen, dass die Staatskanzlei ihren Ausrutscher mit dem falschen „Ersatz-Ministerpräsidenten“ sicher bedauert. Und, dass das Urlaubsziel von Wulff ein großes Geheimnis ist. Viele tippen auf die Nordseeküste oder eine ostfriesische Insel. Nur so viel ist bekannt: Treffen mit ausländischen Staatsgästen seien nicht geplant, versicherte Sickert.
