Hannover/Wardenburg - Große Angst vor der Öffentlichkeit? Die SPD sperrt die Presse von allen Informations-Veranstaltungen aus, in denen vor dem Mitgliederentscheid für den Vertrag für eine Große Koalition in Berlin geworben werden soll. Damit beugen sich die Genossen einer Anweisung aus der SPD-Zentrale in Berlin. Dieser Ukas des Parteivorstands gilt bundesweit.
„Sämtliche Veranstaltungen sind nicht presseöffentlich“, bestätigt Axel Rienhoff, Sprecher der Niedersachsen-SPD, dieser Zeitung. Die Begründung: „Die Mitglieder drinnen sollen offen sagen, was sie denken.“ Die Presse würde stören.
So erhalten nur Mitglieder Zutritt, beispielsweise am kommenden Dienstag ab 19 Uhr beim Abend des SPD-Bezirks Weser-Ems im Wardenburger Hof oder bei der großen Veranstaltung nächsten Samstag in Hannover mit SPD-Fraktionschefin Andrea Nahles. Viele Genossen schütteln nur den Kopf über den Maulkorb für die Presse. „In Berlin regiert die nackte Angst“, heißt es.
Der SPD-Sprecher tröstet die ausgesperrten Journalisten: „Vor und nach den Veranstaltungen wird es Statements geben.“ Im Klartext: die Version der Funktionäre.
Andere gehen viel offener mit der Öffentlichkeit um. Die größten Kritiker der Großen Koalition, die Jusos, laden zu allen ihren Veranstaltungen grundsätzlich die Öffentlichkeit ein. So wird Hannover am kommenden Mittwoch das Duell des Juso-Bundesvorsitzenden Kevin Kühnert mit dem Sprecher der SPD-Linken im Bundestag, Matthias Miersch, erleben. Miersch hat den Koalitionsvertrag maßgeblich verhandelt, Kühnert kämpft mit einer Tour durch ganz Deutschland für ein Nein der Mitglieder zur Großen Koalition.
