HANNOVER/WILHELMSHAVEN - Die Zeugenaussage von Johann Ehmen hat den Stein ins Rollen gebracht. Der Mitarbeiter des Vergabeteams belastete im Landtags-Untersuchungsausschuss nicht nur den früheren Hafenbeauftragten, Joachim Erdmann, sondern auch Wirtschafts-Staatssekretär Joachim Werren. Beide sollen das Vergabeteam unter Druck gesetzt haben, um den Bauauftrag für den Jade-Weser-Port dem Hochtief-Konzern zuzuschanzen. Die Landesregierung bestreitet politische Einflussnahme, zieht aber Konsequenzen.

Zunächst wurde Erdmann als Stabsstellenleiter für den Tiefwasserhafen abgelöst, jetzt drohen im durch das Disziplinarverfahren weitere Sanktionen. „Es ist die einzige Möglichkeit der Aufklärung“, sagt Wirtschaftsminister Walter Hirche (FDP), der einen Domino-Effekt befürchten muss. Erdmann wackelt bedenklich. Wenn er fällt, könnte Werren kippen. Dahinter steht Hirche selbst.

Die Landtags-Opposition, die dem Minister Missmanagement vorwirft, hat ihre Taktik geändert. Sie verzichtet darauf, die zügige Befragung des gefeuerten Vergabeteam-Leiters Wolf-Dietmar Starke vor dem Staatsgerichtshof einzuklagen. Weil die Anwaltskosten von mehreren tausend Euro zu hoch seien, heißt es. Bei der SPD macht man aber keinen Hehl daraus, dass Starkes Auftritt nach der unerwarteten Aussage von Ehmen nicht eilt. „Herr Erdmann als Bauernopfer, um sich selbst aus der Schusslinie zu halten – das lassen wir Herrn Hirche nicht durchgehen“, gab SPD-Obmann, Gerd Will die Stoßrichtung vor.

Die Koalition versucht, die Aufmerksamkeit nach Bremen zu lenken. „Bremen darf die Aufklärung nicht länger verhindern“, betonten die Obleute von CDU und FDP, Hermann Dinkla und Jörg Bode. Beide monieren, die Hansestadt halte wichtige Akten zurück. Verantwortlich dafür sei der Bremer Jade-Port-Geschäftsführer Helmut Holtermann. Der Fingerzeig ist deutlich: Dahinter steckt die Vermutung, dass Bremen Einfluss auf die Vergabe genommen hat, weil Hochtief eng mit der Stadt verbunden ist.