HANNOVER/WILHELMSHAVEN - Lange hat sich Niedersachsens Wirtschaftsminister Walter Hirche (FDP) im Streit um den Bau des Jade-Weser-Ports hinter seine Mitarbeiter gestellt. Am Montag kündigte er im Untersuchungsausschuss des Landtags jedoch erste personelle Konsequenzen an. Der bisherige Chefplaner Joachim Erdmann verliert seinen Job. Die Stabsstelle für Hafenplanung im Ministerium wird umgebaut. Jutta Martensen aus der Abteilung Industriepolitik soll künftig Erdmanns Aufgaben übernehmen. Das Kabinett muss noch zustimmen. Die Opposition sprach von einem „Bauernopfer“.

Hirche, der mehrere Stunden im Ausschuss befragt wurde, verteidigte Erdmanns Arbeit. „Ich hatte keinen Anlass zur Unzufriedenheit.“ Als Grund für den Wechsel nannte er eine Neuausrichtung der Stabsstelle. Planung und Koordinierung stünden in der Bauphase nicht mehr im Vordergrund. Erdmann soll künftig für juristische Fragen im Ministerium verantwortlich sein.

SPD und Grüne äußerten den Verdacht, dass der Chefplaner aus dem Verkehr gezogen wird, weil er unzulässigen Einfluss bei der Bauvergabe genommen hat. „Erdmann ist natürlich ein Bauernopfer“, sagte Grünen-Obmann Enno Hagenah. Der Minister könne sich nicht herausreden, er habe von dem Missmanagement nichts gewusst. CDU und FDP nannten Erdmanns Versetzung dagegen einen richtigen und konsequenten Schritt.

Die Opposition vermutet auch, dass Hirche über die Vergabe des Bauauftrags an den Hochtief-Konzern mehr weiß, als er zugibt. Vertreter von SPD und Grünen fragten den Minister mehrfach nach den Vorgängen bei der Jade-Port-Gesellschaft im Frühjahr dieses Jahres. Damals war das erste Vergabeteam entlassen worden, nachdem es sich für das Angebot der Bunte-Gruppe stark gemacht hatte. „Jeder Anschein von Parteilichkeit musste vermieden werden“, erklärte Hirche. Er habe an der Entlassung aber nicht mitgewirkt.

Der Minister räumte ein, dass bis 2010 möglicherweise nicht alle Container-Liegeplätze des Tiefwasserhafens fertiggestellt sind. Der Jade-Weser-Port werde trotzdem in Betrieb gehen.