HANNOVER/WINSEN - Die Außenseiterin musste sich am Ende nur knapp geschlagen geben. Zwei Anläufe unternahm Ina Korter, um Parteichefin der Grünen in Niedersachsen zu werden. Erst unterlag die Landtagsabgeordnete aus Nordenham der alten und neuen Landesvorsitzenden Dorothea Steiner mit 61 zu 79 Stimmen.

Korter zufrieden

Im Kampf um Platz zwei in der Doppelspitze verlor sie anschließend gegen Nachwuchshoffnung Stefanie Henneke. Für die Siegerinnen gab es Blumen, für die Unterlegene Schulterklopfen und anerkennende Worte. Korter nahm es gelassen. Das sei ein „respektables Ergebnis“, sagte sie. „Ich bin zufrieden.“

Mit Steiner und Henneke hat sich das von Partei- und Fraktionsführung favorisierte Duo durchgesetzt. Für Korter war es schwer, Stimmen bei den 144 Delegierten zu sammeln, weil sie keinem Parteiflügel zugerechnet wird. In der Stadthalle von Winsen kursierten Gerüchte, die Wahl von Steiner und Henneke sei zwischen Linken und Reformern in seltener Eintracht abgesprochen worden. Während Steiner im Amt bestätigt wurde, übernimmt Henneke den Posten von Co-Landeschef Raimund Nowak, der nach sechs Jahren aus beruflichen Gründen nicht mehr antrat.

Die beiden Parteichefinnen betonten, dass ihre wichtigste Aufgabe in den kommenden Monaten sei, die Grünen in die Bundestagswahl zu führen. Die Umweltexpertin Steiner, die für den Bundestag kandidiert, ist möglicherweise nur eine Übergangsvorsitzende. „Ich kann mir vorstellen, dass ich eher als in zwei Jahren aufhöre“, sagte sie. Henneke, die sich vor allem um die Bildungspolitik kümmern will, sieht ihre Wahl als Zeichen für die Verjüngung der Partei. Der neue Landesvorstand besteht aus vier Frauen und einem Mann.

Nowak verwies in seiner Abschiedsrede auf die Wahlerfolge der Grünen in den vergangenen Jahren, kritisierte aber auch mangelnde Motivation und Organisation in Teilen der Öko-Partei. „Die Grünen haben eine Riesenchance, zu wachsen.“ Er vermisse aber eine „innerparteiliche Kultur“. Als Nowak die Bühne verließ, gab es stehenden Applaus – für die Grünen eine Seltenheit.

Rundumschlag von Künast

Als Gastrednerin hatte Bundestag-Fraktionschefin Renate Künast zuvor zu einem Rundumschlag gegen die politischen Gegner ausgeholt. Künast kritisierte die Wirtschaftspolitik der Großen Koalition in Berlin und forderte eine ökologische Wende. Sie warf Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) vor, die Konjunktur-Millionen des Bundes für sinnlose Projekte wie eine Ausstellung über die Schöninger Speere auszugeben. „Wulff hat gesagt, Kanzler könne er nicht. Landesvater kann er auch nicht.“

Kampfansage zur A 22

Die Landesregierung befinde sich im „kollektiven Tiefschlaf“, schlug Landtags-Fraktionschef Stefan Wenzel in die gleiche Kerbe. Schwarz/Gelb habe in der Bildungspolitik versagt. In einem Antrag zur Umweltpolitik sagten die Grünen der geplanten Küstenautobahn A 22 und neuen Kohlekraftwerken an der Küste den Kampf an. Man werde ein zweites Ruhrgebiet zwischen Norddeich und Hamburg verhindern.