HANNOVER/WITTMUND - HANNOVER/WITTMUND - Im Fall Andratzke hat Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) das Vorgehen der Polizei verteidigt. Schünemann räumte aber ein, dass erst vier Tage nach dem mysteriösen Selbstmordversuch eine neutrale Polizeidienststelle mit den Ermittlungen beauftragt wurde. Das geht aus der Antwort des Innenministeriums auf ein Anfrage der SPD-Fraktion hervor.
Laut Schünemann informierte die Wittmunder Polizei den Oldenburger Polizeipräsident Hans-Jürgen Thurau noch in der Nacht zum 23. Dezember 2006 über die Vorgänge im Haus von Franz Andratzke. Der Chef der Polizeiinspektion Wilhelmshaven-Friesland-Wittmund hatte behauptet, zusammen mit seiner Ehefrau einen Selbstmordversuch mit Autoabgasen unternommen und abgebrochen zu haben. Die Polizeiinspektion Delmenhorst/Oldenburger Land wurde nach Angaben des Ministers am 27. Dezember mit den Untersuchungen beauftragt. Aus Polizeikreisen hieß es, dies sei nur unter Druck geschehen. Schünemann erklärte, neben der Pflicht zur Strafverfolgung habe es für Thurau auch eine Fürsorgepflicht für Andratzke und seine Frau gegeben.
Ex-Innenminister Heiner Bartling (SPD) erneuerte seinen Vorwurf, es habe Ermittlungspannen gegeben. Der Polizeipräsident hätte auf „ordnungsgemäßen Ermittlungen“ bestehen müssen, sagte er dieser Zeitung. „Der Vorgang bleibt dubios.“ Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Oldenburg gegen Andratzke werden nach Angaben von Sprecherin Frauke Wilken noch mehrere Wochen in Anspruch nehmen.
