HANNOVER - Mit mehr als einer Million Euro haben renommierte Firmen und Konzerne in den Jahren 2008 (Stuttgart) und 2009 (Hannover) den umstrittenen Nord-Süd-Dialog des Privatveranstalters Manfred Schmidt unterstützt. Nach dieser Zeitung vorliegenden Unterlagen flossen 2008 insgesamt mindestens 748 000 Euro, im Jahr darauf waren es immerhin noch 588 000 Euro.
Ganz oben finden sich exquisite Namen der deutschen und europäischen Wirtschaft wie Audi/VW (insgesamt 150 000 Euro), Mercedes (50 000), Vodafone (70 000) oder auch die Bahn (50 000).
Auf Wulff berufen
Mit von der Party war auch der Oldenburger Energieversorger EWE. Der ließ sich Spaß, Spektakel und angebotene Werbemöglichkeit zunächst 25 000 Euro kosten, legte dann in 2009, offenbar angetan von dem privaten Wirtschaftstreffen, gleich das Doppelte auf den Tisch.
Wenn einem so viel Unterstützung zuteil wird, muss man sich als Veranstalter bei den Ausgaben ebenfalls nicht lumpen lassen. So kassierte etwa die US-Schauspielerin Faye Dunaway für ihr Erscheinen 15 000 Euro. Das gesamte Catering war für 36 000 Euro zu haben. Für Pflanzenschmuck wurden 2821,14 Euro aufgewendet. Günstiger waren die Hostessen: 750 Euro. Gleich kostenlos gab’s 2009 in Hannover die Servicekräfte, sprich Studenten, der Medizinischen Hochschule Hannover: Deren Dienste wurden erst gar nicht bezahlt.
Nach NDR-Informationen ist auch die Deutsche Messe AG Hannover gezielt von der Staatskanzlei um Sponsorengelder angegangen worden. Der Redaktion liege eine E-Mail von Regierungssprecher Olaf Glaeseker an die Deutsche Messe AG Hannover vor, in der sich Glaeseker ausdrücklich auf den damaligen Ministerpräsidenten und heutigen Bundespräsidenten Christian Wulff bezieht.
Keine Entschuldigung
Die Rolle Wulffs wird inzwischen sogar in seiner Heimatstadt Osnabrück kritisch gesehen: Kurz bevor die Diskussion um das Staatsoberhaupt begann, habe der Verkehrsverein Osnabrück den dort geborenen Wulff für die Ehrenbürgerwürde vorgeschlagen, berichtet die „Neue Osnabrücker Zeitung“. Jetzt aber, heißt es in Osnabrück, liege der Antrag erst mal auf Eis.
Keine Entschuldigung
Unterdessen will sich der Chef der Grünen im niedersächsischen Landtag, Stefan Wenzel, nicht bei Christian Wulff wegen seiner „Lügner“-Aussage entschuldigen. „Ich habe gesagt, was ich gesagt habe. Das mag jeder bewerten, wie er will“, sagte er am Dienstag. Wenzel hatte Wulff in der Debatte um Beteiligungen der früheren Landesregierung an dem umstrittenen Promi-Treff Nord-Süd-Dialog als „Lügner“ bezeichnet.
Für den Chef der CDU-Landtagsfraktion, Björn Thümler, hat Wenzel damit „die Schwelle der Strafbarkeit“ überschritten. Wenzel konterte prompt: „CDU und FDP haben den Ernst der Lage noch immer nicht erkannt.“
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