Hannover - Es ist kein normales Bundesligaspiel, sondern ein Politikum. Vor dem Fußball-Derby zwischen Hannover 96 und Eintracht Braunschweig am kommenden Freitag zittert nicht nur die Landeshauptstadt. Von allen Seiten wird an die verfeindeten Fans appelliert. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat sich an die Spitze der „Gemeinsam Fair“-Bewegung gestellt. Die Polizei fürchtet nicht nur 800 gewaltbereite Fans von beiden Vereinen, sondern auch Krawalltouristen aus dem ganzen Land.
Wie angespannt die Lage vor dem Spiel ist, zeigt ein kleiner Vorfall im Rathaus von Hannover. Ein Verwaltungsmitarbeiter hatte in einer offiziellen Mitteilung der Stadt den „Braunschweiger Platz“ eigenhändig in „Platz der verbotenen Stadt“ umbenannt, wie Braunschweig bei den Hannover-Fans despektierlich heißt. Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) entschuldigte sich umgehend beim Braunschweiger Amtskollegen Gert Hoffmann (CDU) und kündigte eine Bestrafung des Mitarbeiters an.
Derweil gab es schon Tage vor dem Spiel erste Scharmützel. 96-Fans kontrollierten nachts am Stadion eigenmächtig vermeintliche Braunschweiger und gerieten mit der Polizei aneinander. Im Internet kursieren Aufrufe zur Gewalt. Im Stadion bleiben 2000 Plätze aus Sicherheitsgründen unbesetzt.
Die Polizei trainiert seit Monaten für das Spiel, spricht von einem „besonderen Risiko“. Die Anforderungen sprengten den bisherigen Rahmen deutlich, erklärte der Einsatzleiter der Polizei Hannover, Guido von Cyrson.
Angesichts dieser Umstände fand auch der Ministerpräsident deutliche Worte. „Da sind viele unterwegs, die haben Spaß am Krach und Ärger machen“, sagte Weil. „Solche Vollidioten dürfen nicht die Fankultur bestimmen.“ Auch Innenminister Boris Pistorius (SPD) wird am Freitag im Stadion sein, um sich ein Bild von der Lage zu machen. „Gewalttäter werden die volle Härte des Gesetzes zu spüren bekommen“, sagte Pistorius. Über die Einsatztaktik schweigt die Polizei.
Die Präsidenten beider Vereine hoffen, dass es bei friedlicher Unterstützung durch die Fans bleiben wird. 96-Präsident Martin Kind meinte, es sei unbedenklich, Kinder mit ins Stadion zu nehmen. „Es bleibt ein gewisses Restrisiko“, sagte Braunschweigs Präsident Sebastian Ebel.
