HANNOVER -
Redaktion Hannover
HANNOVER - Das Auffanglager Friedland in der Nähe von Göttingen ist weltbekannt. Seit 60 Jahren ist es Anlaufstelle für Flüchtlinge und Zuwanderer. Von der britischen Militärverwaltung nach dem 2. Weltkrieg gegründet, wurden dort bis heute 3,6 Millionen Menschen registriert und weitervermittelt. Doch damit könnte bald Schluss sein. Zumindest die mitregierende FDP sieht keine Zukunft mehr für das Durchgangslager in seiner bisherigen Form. Früher oder später werde man über Veränderungen nachdenken müssen, sagte der FDP-Innenexperte Jörg Bode dieser Zeitung.Der Parlamentarische Geschäftsführer der Landtags-Fraktion will schon jetzt das Personal drastisch reduzieren. 250 Mitarbeiter wie bisher würden nicht mehr gebraucht. Bodes Begründung: „Es kommen immer weniger Aussiedler nach Deutschland.“ Bei der jüngsten Reise von Innenminister Uwe Schünemann (CDU) nach Kasachstan konnten sich die Innenexperten aller Parteien ein Bild von der Lage machen.
Für Bode brachte der Trip eine überraschende Erkenntnis. Es gebe nur noch ganz wenige Deutschstämmige, die alle Voraussetzungen für eine Ausreise erfüllten. Und von diesen hätten viele gar keine Lust auf einen Umzug ins Land ihrer Vorväter. „Vor allem Jugendliche sehen auch Chancen und Perspektiven vor Ort.“ Diesen Trend müsse man unterstützen, meint Bode.
Die Zahlen belegen diese Entwicklung. So reisten im Jahr 2000 noch 45 600 Menschen mit deutschen Wurzeln aus, fünf Jahre später waren es nur noch 11 200. Und das, obwohl noch insgesamt rund 200 000 Menschen Deutsch-stämmige in den ehemaligen Sowjetrepubliken vermutet werden.
Bode will Friedland nicht ganz zerschlagen, spricht sich aber für dezentrale Strukturen aus. Will heißen: Die zuständigen Behörden sollten in die Regionen Niedersachsens Personal verlegen, in die es die Aussiedler zieht. Sprache und deutsche Kultur könnten auch dort vermittelt werden.
