Hannover - Der imposante Prachtbau ist das Wahrzeichen von Hannover: Als das Neue Rathaus vor 100 Jahren eröffnet wurde, bescherte die feierliche Zeremonie mit Kaiser Wilhelm II. der Stadt die ersten bewegten Filmaufnahmen. Heute ist das einem historischen Schloss ähnelnde Rathaus nicht nur Sitz der Stadtspitze, sondern auch Ziel unzähliger Touristen – nicht zuletzt wegen des europaweit einzigartigen Kuppelaufzugs, der aus 98 Metern Höhe Aussicht über die Landeshauptstadt bietet. Unter dem Motto „Happy Birthday, altes Haus“ feiert Hannover an diesem Donnerstag das 100-jährige Bestehen.

Die Bezeichnung Neues Rathaus wurde damals gewählt, weil Hannover bereits über ein Rathaus aus dem Mittelalter verfügte. Dieses heißt nun Altes Rathaus und wird unter anderem als Tagungszentrum genutzt. Weil den Stadtvätern das Alte Rathaus zu eng wurde und die Stadtkasse gut gefüllt war, fiel die Entscheidung zum Bau.

Zwölf Jahre dauerten die Arbeiten. Zehn Millionen Goldmark flossen in den Bau in einer Parklandschaft unweit des Maschsees. Mehrere Baustile sind in dem Rathaus zu finden, das wegen des feuchten Grundes auf 6026 Buchenpfählen errichtet wurde. „Dieser fast 100 Meter hohe, weithin sichtbare Kuppelbau ist längst mehr als das von manchen bespöttelte Relikt historisierender, großbürgerlicher Selbstdarstellung. Es ist uns ans Herz gewachsen“, sagt Bürgermeister Bernd Strauch (SPD). Das Rathaus war Gründungsort des neuen Landes Niedersachsen.

Das Jubiläum feiert Hannover mit einem bunten Programm. Nach einem feierlichen Empfang gibt es am Donnerstagabend ein kostenloses Open-Air-Konzert der Band Silbermond, am Tag darauf steht die Fête de la Musique im Zeichen des Geburtstagskindes. Außerdem wird das Fest der Kulturen gefeiert. Eine Ausstellung widmet sich der politischen Geschichte.

Erstmals seit 100 Jahren soll ein zur Eröffnung gefertigtes Porträt von Stadtdirektor Heinrich Tramm gezeigt werden, der den Bau des Hauses und die Industrialisierung der Stadt vorantrieb. Wegen der lange bekannten Nähe des rechtskonservativen Politikers zum Kolonialismus und Nationalismus ist jetzt die Frage aufgekommen, ob der Rathausplatz weiter Trammplatz heißen sollte.