Hannover - Für viele Umweltschützer und die Opposition im Landtag von Hannover war er stets ein rotes Tuch – Niedersachsens einstiger Umweltminister Hans-Heinrich Sander konnte das allerdings ganz gut ertragen. Als „Mann mit Ecken und Kanten“ beschreiben Weggefährten und politische Gegner den FDP-Politiker. Jetzt ist Sander kurz nach seinem 72. Geburtstag gestorben.

Für Umweltverbände, SPD, Grüne und Linke war der gelernte Lehrer und Landwirt aus Golmbach im Landkreis Holzminden nicht zuletzt wegen seiner Haltung zur Atompolitik als Umweltminister eine Fehlbesetzung. Bundesweit für Schlagzeilen sorgte sein Besuch im Dezember 2003 im geplanten Atommülllager Schacht Konrad, als er ein T-Shirt mit dem Symbol für Radioaktivität und dem Schriftzug „kerngesund“ trug.

Drei Jahre später zog sich Sander den Zorn der Europäischen Union zu. Mit seiner Motorsäge hatte er im Biosphärenreservat Elbtalaue einen Baum gefällt. Brüssel leitete damals sogar ein Verfahren wegen Verstoßes gegen Naturschutzvorschriften ein.

Sanders politischer Karriere konnten die Vorfälle genauso wenig anhaben, wie die unzähligen Debatten um das mögliche Atommüllendlager Gorleben. Einzig die T-Shirt-Aktion bereue er im Rückblick, sagte er einmal.

Bis zu seinem Ausscheiden aus dem Umweltministerium wurde er nicht müde zu betonen, wie viel Spaß ihm die Arbeit in seinem „spannenden und zugleich so konfliktbeladenen“ Ressort machte. „Ich bin dankbar für die Jahre der Politik.“

„Er hat die Notwendigkeit gesehen und hatte auch durchaus Freude daran, verkrustete Strukturen durcheinanderzuwirbeln“, sagte Niedersachsens FDP-Landeschef Stefan Birkner am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. Seine teils provokanten Aktionen hätten ihm natürlich auch Kritik eingebracht. „Das wusste er, aber das hat er gerne in Kauf genommen“, sagte Birkner.

Und auch ein Nachruf der niedersächsischen Staatskanzlei würdigte Sander: „Hans-Heinrich Sander stand für eine Politik, die auf unbürokratische, bürgerfreundliche und schnelle Lösungen gesetzt hat.“