HILDESHEIM - Ein Niedersachse fordert Berlins mächtigen Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) heraus – und könnte ihn vielleicht sogar eines Tages beerben. Mit seiner Kampfkandidatur um den SPD-Landesvorsitz gegen Amtsinhaber Michael Müller hat sich der Hildesheimer Jan Stöß den Zorn Wowereits zugezogen. „Mehrere Kandidaten in einer demokratischen Partei sind legitim, ob es aber klug ist von Jan Stöß, wage ich zu bezweifeln“, kritisierte der Regierungschef.

Tatsächlich verbirgt sich hinter dieser Machtfrage auch eine Nachfolge-Debatte. Wowereit (58) zeigt sich in vergangener Zeit erkennbar amtsmüde. Sollte der seit elf Jahren Regierende aufhören, wäre der SPD-Landeschef aller Voraussicht nach der nächste SPD-Spitzenkandidat für das Bürgermeisteramt.

Der 38-jährige Stöß besitzt gute Karten. Der gebürtige Hildesheimer, der in Göttingen Jura studierte und als Verwaltungsrichter arbeitet, lebt seit 1996 in Berlin. SPD-Mitglied seit 1990, gehört der Kreisvorsitzende von Friedrichshain-Kreuzberg dem linken Flügel seiner Partei an. Und von da aus möchte Stöß Druck machen auf die Große Koalition mit der CDU als Juniorpartner.

Die sozialdemokratische Handschrift müsse erkennbar sein in diesem Bündnis. „Die SPD wird nur Erfolg haben, wenn sie eine linke Volkspartei ist“, sagte Stöß in der „Berliner Zeitung“.

Seit 2004 SPD-Landeschef, gilt Michael Müller (47) als zu brav, um politischen Krawall im Senat zu machen. Der langjährige Vertraute Wowereits hält dem Regierungschef lieber den (Partei)-Rücken frei, lässt sich sogar als Senator für Stadtentwicklung in die Regierungsarbeit einbinden. Es ist kein Geheimnis, dass Wowereit sich den gebürtigen Berliner Müller als Nachfolger wünscht.

Doch jetzt funkt ein Niedersachse dazwischen, drängt sich ins Berliner Milieu. „Als Kraft für soziale Gerechtigkeit“, wie Stöß wirbt. Das Duell wird auf dem SPD-Parteitag am 9. Juni entschieden. Eine Mitgliederbefragung lehnte der SPD-Vorstand ab.