Hildesheim/Lübeck - Um sechs Uhr hätte Alexander Jorde am Dienstag eigentlich die Frühschicht im Krankenhaus angetreten: Nach Patienten geschaut, ihnen geholfen aufzustehen, sie nach Schmerzen gefragt. Wegen seines Auftritts in der ARD-„Wahlarena“ lag er aber erst gegen drei Uhr im Bett. Seine Schicht hat der junge Krankenpfleger aus Hildesheim, der seit dem TV-Auftritt Held seiner Station ist, mit einem Kollegen getauscht.

Früh wach war Alexander am Tag, nachdem er Kanzlerin Angela Merkel während der Livesendung aus Lübeck eine Frage gestellt hatte, trotzdem. Viele Nachrichten von Kollegen, Freunden und Fremden erreichten ihn via Smartphone und soziale Netzwerke. Der 21 Jahre alte Auszubildende hatte der CDU vorgeworfen, dass im Parteiprogramm stehe, niemand müsse sich bei der Pflege Sorgen machen. Dabei seien Pfleger überlastet und müssten sich pro Schicht um zu viele Patienten kümmern, so Jorde.

Für seinen Auftritt hatte er sich keinen Spickzettel gemacht, sondern sich nur den ersten Satz und die Frage im Geist zurecht gelegt: Den Passus zur unantastbaren Würde des Menschen aus dem Grundgesetz. Dann formulierte er in energischem Ton die Frage: „Was wollen Sie konkret gegen den Pflegenotstand tun?“

Auf seine hartnäckige Frageweise reagierte Merkel mit vielen Erklärungen, die den Hildesheimer aber enttäuscht zurückließen. „Politiker könnten zum Beispiel eine Quote einführen, um Krankenhäuser zu verpflichten, auf lange Sicht mehr Krankenpfleger und -schwestern einzustellen“, erklärt der Azubi. Jorde hatte auf einen Aufruf der Sendungsmacher im Internet reagiert. Er ist politisch interessiert, aber kein Mitglied einer Partei. Sein Engagement spürt man in fast jedem seiner Sätze. „Viele Leute wissen ja auch gar nicht, was Pfleger jeden Tag leisten. Das ist auch viel wissenschaftlicher, als man sich das vorstellt.“

Medizinische Zusammenhänge und Kliniken hätten ihn schon immer interessiert. Seine Mutter ist Krankenschwester. Mehr als Jordes halbes Leben ist Merkel nun an der Macht – seit er neun Jahre alt sei, rechnet der junge Mann vor. Seitdem müsse sich doch etwas geändert haben. „Der Pflegenotstand kam ja nicht von ungefähr.“ Er fordert von der Politik auch, durch Kampagnen für den Beruf zu werben: „Wenn’s keiner macht, dann wird’s brenzlig.“

Wenn Alexander Jorde Deutschland regieren würde, würde er mit einer Expertenkommission einen Schlüssel dafür entwickeln, wie viel Personal auf den unterschiedlichen Stationen für die Patienten gebraucht wird. Er würde eine Imagekampagne starten und einen branchenbezogenen Mindestlohn für die Pflege einführen.