Stapelfeld - Von einem „deutschen Wunder“ im Umgang mit Flüchtlingen berichtete der Münchner Journalist Heribert Prantl in der katholischen Akademie in Stapelfeld bei Cloppenburg. Beim Abend der Caritas unterstrich er vor zahlreichen Gästen aus Politik, Wirtschaft und kirchlichen Institutionen, dass nach seiner Beobachtung die Hilfe für Flüchtlinge in der Bundesrepublik noch nie so groß wie derzeit gewesen sei.
Das Wunder sei vielleicht noch etwas wackelig, doch habe sich in Deutschland offenbar etwas verändert. In dem Land, in dem vor 20 Jahren die Flüchtlingsheime brannten, wachse eine anrührende Solidarität mit Flüchtlingen. Es gebe inzwischen eine „aufgeweckte, hilfsbereite und flüchtlingsfreundliche Zivilgesellschaft“, sagte Prantl, Mitglied der Chefredaktion der „Süddeutschen Zeitung“. Das Elend der Menschen in Syrien, dem Irak und vor Lampedusa fasse viele Menschen ans Herz – und deshalb forderten sie von Ländern und Bund, sich um „zwei-, dreihunderttausend Flüchtlinge gut und fürsorglich zu kümmern“.
Zwar gebe es, so Prantl, auch einen abweisenden Teil in der Zivilgesellschaft, aber er hoffe, dass die eine Gruppe immer größer und die andere immer kleiner werde.
Heftige Kritik übte er an der europäischen Flüchtlingspolitik. Europa schotte sich mit großem Aufwand vor den Ärmsten der Armen ab, es würden die Grenzen, nicht aber die Flüchtlinge geschützt. Die toten Flüchtlinge im Mittelmeer seien Opfer unterlassener Hilfeleistung, klagte der Journalist an.
Prantl rief dazu auf, sich St. Martin als Schutzheiligen Europas als Vorbild zu nehmen. Der habe seinen Mantel mit einem Bettler geteilt. Auch die heutige Gesellschaft sei aufgefordert, ähnlich zu handeln und das Grundgesetz mit dem Satz „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ ernster zu nehmen.
Caritas-Direktor Gerd Tepe hatte sich zuvor ähnlich geäußert und auf das Engagement der Caritas verwiesen: „Wir müssen Anwalt der Menschen sein und handeln – bei uns, in Europa und in den Herkunftsländern der Flüchtlinge“. Das Mittelmeer werde inzwischen nicht nur als Geburtsstätte Europas, sondern auch als Ort des größten europäischen Versagens bezeichnet. Wenn alle etwas von ihrem Wohlstand abgäben, könne sich die Situation verbessern. Dankbar stelle er aber auch fest, dass es in den Kirchengemeinden und Kommunen des Oldenburger Landes viel Hilfsbereitschaft gebe.
