Hannover - Mitten in hitziger Atmosphäre mit Zwischenrufen wird es plötzlich ganz still im Landtag. „Ja“, sagt Björn Försterling am Rednerpult, „es ist ein Problem.“ „Mir war im Alter von 13 Jahren schon klar, dass ich homosexuell bin“, setzt der FDP-Politiker hinzu, dem diese Rede sichtbar schwer fällt. „Aber ich habe mich erst am 28. Geburtstag getraut, mich zu outen“, gibt Försterling tiefe Einblicke in die Gefühlswelt eines Menschen, der eben nicht so ist und fühlt wie die Mehrheit. Am Ende wird Försterling dafür Beifall von allen Seiten erhalten.

Es bleibt eine kurze Atempause in einer scharfen Debatte mit unversöhnlichen Standpunkten. Auf der einen Seite Rot/Grün und Teile der FDP, die einen völlig neuen und völlig liberalen Sexualkunde-Unterricht in „allen Schulen“ und in „allen Fächern“ und Lehrbüchern durchsetzen wollen mit umfassender Aufklärung von Kindern über Homo-, Bi-, Trans- und Intersexualität. Auf der anderen Seite die Bedenken in Unionsreihen und auch bei FDP-Abgeordneten gegenüber einer Sexualisierung des Unterrichts mit kaum Grenzen setzenden Übergängen zu Sexualpraktiken. „Die Entwicklung von Schülerinnen und Schülern verläuft sehr unterschiedlich. Dazu müssen wir auch auf Glaubensgrundsätze Rücksicht nehmen“, warnt die CDU-Schulexpertin Karin Bertholdes-Sandrock. Sie fürchtet, dass der Elternwille bei den rot-grünen Aufklärungsplänen auf der Strecke bleibt, auch wenn im Entschließungsantrag „die Rechte der Erziehungsberechtigten“ hervorgehoben werden. Aber wie sollen Eltern protestieren, wenn beispielsweise Schwulen- und Lesben-Initiativen den Unterricht in der Schule gestalten?

„Das Elternrecht wird nicht angetastet“, versichert dagegen der SPD-Schulpolitiker Stefan Politze. Es werde auch „keine Frühsexualisierung geben“. Doch Toleranz und Verständnis solle geweckt werden beispielsweise für „Intersexualität“. Ein „Bildungsauftrag“, sagt Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD).