Hannover - Als „völlig inakzeptabel“ hat Niedersachsens CDU-Fraktionschef Sebastian Lechner den sogenannten Hochwassertourismus bezeichnet. „Wir verurteilen auf das Schärfste, dass Neugierige extra anreisen, Absperrungen überwinden und Fotos schießen.“, sagte Lechner unserer Redaktion. „Sie bringen sich nicht nur selbst in Gefahr, sondern fordern die Einsatzkräfte zusätzlich.“ Absurd seit, wenn sogar Wassersport auf den überfluteten Flächen betrieben wird.

Dagegen könne nur glaubwürdig vorgegangen werden, wenn die Politik ihre Vorbildfunktion wahrnehme und von überflüssigen Besuchen Abstand nehme, sagte Lechner. Die CDU-Landtagsfraktion habe sich daher bewusst gegen eine Einsatzbeobachtung vor Ort entschieden. „Über die aktuelle Lage und die notwendigen Unterstützungsmaßnahmen lassen wir uns über andere Wege kontinuierlich informieren“, sagte Lechner. Für die Betreuung vor Ort würden Ressourcen bei den Einsatzkräften gebunden, die jetzt anderweitig eingesetzt werden müssten. Allerdings sei die rot-grüne Landesregierung gefordert, sich ein authentisches Bild zu machen. Allerdings müsse der Begleittross auf das Notwendigste beschränkt werden. Lechner lobt ausdrücklich den Besuch von Innenministerin Daniela Behrens in Sandkrug (Landkreis Oldenburg) und andernorts.

Ein Ende der Hochwassergefahr sei noch nicht absehbar. „Durch diesen langandauernden Einsatz kommen die Helferinnen und Helfer zunehmend an ihre Grenzen“, sagte Lechner. „Ihr Engagement ist daher nicht hoch genug einzuschätzen. Ihnen gebührt nicht nur großer Dank, sondern auch eine finanzielle Anerkennung. Eine steuerfreie Helferpauschale von Bund und Land finanziert haben sie mehr als verdient.“

Auch AfD-Fraktionschef Stefan Marzischewski lehnte einen „Gummistiefel-Tourismus und Katastrophen Sightseeing“ klar ab. „Dass sich verantwortliche Politiker ein Bild von der Situation machen wollen, ist dagegen in Ordnung“, so Marzischweski. „Wenn Olaf Scholz, Ricarda Lang oder Nancy Faeser aber mit großem Gefolge anreisen, um sich als vermeintliche Kümmerer und Flutbezwinger vor den Kameras zu inszenieren, ist das ein abstoßendes PR-Spektakel.“ Die AfD-Fraktion fordert 5000 Euro Soforthilfe für Flutgeschädigte.

Die Hochwasserlage in Oldenburg entspannt sich weiter. Die Pegelstände sinken schneller als erwartet.

LIVEBLOG ZUM NACHLESEN Stadt Oldenburg gibt offiziell Hochwasser-Entwarnung

Hannover
Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent