Hannover - Ernst steht der Hoffnungsträger hinter dem Pult im Hasselmann-Haus. Die Hände gefaltet. Die Körperhaltung verrät Anspannung. Nach Minuten wischt sich Bernd Althusmann mit dem Taschentuch kleine Schweißperlen von der Stirn. Während CDU-Chef David McAllister gar nicht aufhören mag, den soeben einstimmig von Parteivorstand und Landtagsfraktion nominierten Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2018 mit immer neuen Worten zu loben. „Ein Vollprofi – mit Leidenschaft und Augenmaß“, schwärmt McAllister. Also genau der Richtige, um Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und die regierende rot-grüne Koalition herauszufordern.
Althusmann reagiert kaum. Drückt die Last der Hoffnungen, die die Union in ihren neuen Frontmann für Niedersachsen setzt? „Wunder kann ich nicht versprechen, aber hart arbeiten schon“, kündigt Althusmann vollen Einsatz für die nächsten Monate an. Die Herausforderung nehme er jedoch gerne an. Sie sei „Lust und Last“, aber vor allem „auch eine Ehre“.
Mit der einstimmigen Nominierung erspart sich die CDU eine Mitgliederbefragung. Der letzte Gegenkandidat, Landtagspräsident Bernd Busmann, hatte vor zwei Wochen das Handtuch geworfen.
Schritt für Schritt findet nun die Inthronisierung von Althusmann statt. Erst steht der frühere Staatssekretär und Kultusminister in einer Serie von Veranstaltungen der Parteibasis Rede und Antwort. Die Mitglieder sollen die Chance bekommen, mit Althusmann, der in den letzten drei Jahren die Konrad-Adenauer-Stiftung in Namibia leitete, zu diskutieren. Für den 19. Oktober ist ein zentraler öffentlicher Auftritt in Hannover geplant. Am 26. November stellt sich Althusmann auf einem Landesparteitag zur Wahl als Vorsitzender.
Eine Zäsur für Amtsinhaber David McAllister, der die CDU als Nachfolger von Christian Wulff seit 2008 führte. Ex-Ministerpräsident McAllister (2010 bis 2013) konzentriert sich dann ganz auf sein Mandat als Europaabgeordneter.
Erst nach der Wahl zum Parteichef geht auf dem Parteitag die Kür des Spitzenkandidaten über die Bühne. Die SPD spottet bereits über das „sehr holprige Prozedere“, so SPD-Generalsekretär Detlef Tanke. Die CDU liefere ein Schauspiel ab, „denn die Nominierung von Althusmann stand schon vor Wochen fest“, so Tanke.
Althusmann will viel aus seinen Afrika-Erfahrungen einbringen in die künftige Politik für Niedersachsen. Beeindruckt haben ihn Umwelt- und Klimaprobleme, aber auch direkt zu erleben, warum die Menschen ihrer Heimat den Rücken kehren und nach Europa fliehen. Althusmann spricht von einem „prägenden Perspektivwechsel“.
Ob Teile in das neue Regierungsprogramm der CDU einfließen? Gemeinsam mit Fraktionschef Björn Thümler will der künftige Parteichef schnell deutlich machen, was die Bürger von der CDU künftig erwarten können. Erste Pflöcke setzt Althusmann schon an diesem Sonnabend: Bildung („Schule 4.0“), innere Sicherheit und die Digitalisierung der Wirtschaft und vor allem auch der ländlichen Räume Niedersachsens stehen für den Unions-Politiker ganz weit oben auf der Agenda. Althusmann spricht vom „absoluten Vorrang“. Unter einem Ministerpräsidenten Althusmann werde Niedersachsen zum „Spitzenreiter bei der Digitalisierung“. Bis dahin wolle er „viel zuhören“.
