Hannover - Tachomanipulationen bei Gebrauchtwagen sind bundesweit ein massives Finanz- und Sicherheitsrisiko für Autokäufer. Ein Unterausschuss des niedersächsischen Landtags hat deshalb am Mittwoch nach Möglichkeiten gesucht, solche Straftaten zu bekämpfen. Grundlage war ein Vorschlag der Regierungsfraktionen von SPD und Grünen.

In einem gemeinsamen Antrag fordern sie die Landesregierung auf, sich für einen sogenannten Carpass auf Bundesebene einzusetzen. In den Pass soll bei jeder Hauptuntersuchung und Reparatur der aktuelle Kilometerstand eines Wagens eingetragen werden. Kriminelle sollen es so schwerer haben, an der Tachoanzeige zu drehen. Die Ausschussmitglieder sprachen dazu unter anderem mit Experten von ADAC, VW und des Vereins „Initiative gegen Tachomanipulation“.

Der Vorschlag ist allerdings umstritten. ADAC sowie die CDU-Fraktion kritisierten, dass der Pass und eine damit verbundene Datenbank keine lückenlose Erfassung des Kilometerstands der Wagen zuließen. In der Zeit zwischen den Untersuchungen könne weiter manipuliert werden. „Eine solche Datenbank ist außerdem mit einem hohen bürokratischen Aufwand und Kosten verbunden“, sagte Gerda Hövel (CDU). Es bleibe unklar, wer diese Kosten trage.

Einig waren sich alle Beteiligten über den enormen wirtschaftlichen Schaden, den die Tachomanipulationen anrichten – nicht nur für die Verbraucher. „Mehr als 50 Prozent unserer Flotte vertreiben wir im Leasing-Bereich“, sagte der Abgesandte der Volkswagen AG, Andreas Titze. Dort seien Manipulationen besonders häufig.

Der Vertreter des ADAC rechnete vor: Wer den Tacho einer drei Jahre alten Mittelklasselimousine um 100 000 Kilometer zurückdreht, kann beim Verkauf fast 6000 Euro Gewinn rausschlagen. Der Automobilclub sieht die Hersteller in der Pflicht, technisch aufzurüsten.

Ob damit den technisch gut gerüsteten Straftätern beizukommen sei, bezweifelte der Sprecher des Vereins „Initiative gegen Tachomanipulation“: „Es gibt viele Möglichkeiten, zu manipulieren, die lassen sich nicht über einen Chip ausschalten.“ Kontrollieren lasse sich der Kilometerstand nur über eine Datenbanklösung. Nach der Experten-Anhörung will der Ausschuss in den folgenden Sitzungen über den Antrag von SPD und Grünen beraten.