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INTERVIEW CDU-L „Beim C zu keinem Kompromiss bereit“

Der Emsteker hat so ziemlich alles erlebt, was ein Politikerleben ausmacht. Die Nachfolge ist geregelt.

Von Thomas Hellmold

Frage:

Herr Carstens, können Sie sich noch an den 20. September 1990 erinnern?

Carstens:

Natürlich, da fand im Bundestag die Abstimmung zum Einigungsvertrag mit der sich auflösenden DDR statt . . .

Frage:

. . . bei der Sie als einziges Kabinettsmitglied – Sie waren damals Parlamentarischer Staatssekretär im Finanzministerium – gegen den Vertrag stimmten, weil darin eine Übergangsregelung zur Abtreibung enthalten war.

Carstens:

Ja, und diese Regelung konnte ich mit meiner christlichen Grundüberzeugung nicht in Einklang bringen. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Frage:

Diese Haltung hat Ihnen auch bei Ihren Parteifreunden viel Ärger eingebracht. Wie haben Sie das ausgehalten?

Carstens:

Das war nicht einfach, um es mal so zu sagen, aber ich war in dieser Frage zu keinem Kompromiss bereit.

Frage:

Das „C“ in der CDU, also der Christlich-Demokratischen Union Deutschlands, hat für Sie aufgrund Ihrer religiösen Überzeugung immer einen besonderen Stellenwert gehabt. Gilt dies heute noch für alle in der Partei?

Carstens:

Die CDU ist nach wie vor die einzige Partei der Bundesrepublik, die noch von starken Strukturen im Sinne des christlichen Gedankengutes geprägt ist. Sie ist allerdings stark abgedriftet von den Werten, die man vor drei, vier Jahrzehnten in unserer Gesellschaft noch für normal gehalten hat. Insofern sehe ich eine Gefahr für die CDU, dass sie bei künftigen Wahlen Stimmen an Nichtwähler verliert, wenn sie nicht deutlich macht, dass die christliche Grundidee eine bleibende Größe im Parteiprogramm ist. Ich bin fest davon überzeugt, dass ein Volk, wenn es sich vom christlichen Gedankengut löst, in die Irre läuft und sich damit selbst das Urteil spricht.

Frage:

Am kommenden Sonnabend geben Sie nach 24 Jahren den Vorsitz im CDU-Landesverband Oldenburg ab. Hat je ein Landesverbandsvorsitzender länger residiert als Sie?

Carstens:

Ich glaube, nicht. Wenn nicht alles täuscht, trete ich als dienstältester Vorsitzender eines CDU-Landesverbandes in Deutschland ab. Kontinuität hat bei uns in Oldenburg allerdings Tradition. Mein Vorgänger Gerhard Glup war 20 Jahre im Amt, und dessen Vorgänger August Wegmann immerhin zehn Jahre lang. Das sind zusammen über 50 Jahre mit nur drei Landesverbandsvorsitzenden – das gibt es in anderen Landesverbänden meines Wissens nirgendwo sonst.

Frage:

Sie waren im Laufe Ihrer langen politischen Karriere Staatssekretär in drei Bundesministerien – Finanzen, Verkehr und Inneres. Auch nicht gerade gewöhnlich, oder?

Carstens:

Nachdem ich von 1983 bis 1989 haushaltspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion geworden war – in dieser Zeit war Gerhard Stoltenberg Finanzminister –, war die Grundlage geschaffen für eine breite politische Arbeit innerhalb der Bundesregierung.

Frage:

Sie blieben dennoch nicht von den Auswirkungen vermeintlicher oder tatsächlicher Affären verschont – und haben Sie alle überstanden. Auch ohne Schaden an Ihrer persönlichen Gefühlslage?

Carstens:

Es hat schon weh getan, wenn man in manchen Zeitungen Schlagzeilen über sich lesen musste, die den Tatsachen in keiner Weise entsprachen, wie sich später dann herausstellte. Aber damit muss ein Politiker umgehen können – sonst geht er, ungeachtet der Faktenlage, unter.

Frage:

Man darf annehmen, dass Sie ihr politisches Feld bestellt haben. Wer wird Ihr Nachfolger im CDU-Landesverband Oldenburg?

Carstens:

Es gibt einen Kandidaten, und das ist Franz-Josef Holzenkamp. Ich gehe davon aus, dass er am kommenden Sonnabend in Friesoythe mit einer großen Mehrheit gewählt wird.

Frage:

Und was machen Sie im Politik-Ruhestand?

Carstens:

Ich habe mir fest vorgenommen, ein absolut politikfreies Jahr einzulegen. Und ich werde mit Sicherheit kein Buch schreiben.
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