Celle - Vor der Ausreise mehrerer junger Wolfsburger zur Terrormiliz Islamischen Staat hat der IS-Anwerber Yassin O. gezielt charakterlich schwache Menschen um sich geschart. Das sagte am Montag ein Zeuge im Terrorprozess gegen zwei IS-Rückkehrer vor dem Oberlandesgericht Celle. „Meiner Meinung nach war er gerissen.“

Ihn habe Yassin O. in Ruhe gelassen, weil er gemerkt habe, dass er einen strengen Vater habe, sagte der 28-jährige Deutsch-Tunesier, der ein Freund des Angeklagten Ayoub B. war. Der Zeuge beschreibt B. als Dickkopf, der nie etwas zu Ende gemacht habe. Er habe oft einen drauf setzen wollen: „Wenn ich vom 10-Meter-Brett gesprungen bin, wollte er vom 20-Meter-Brett springen.“

Ein weiterer Zeuge sagte, Opfer des Anwerbers seien „kleine Jungs, die dumm und naiv sind“, geworden. Er sagte über Ayoub B.: „Er stand irgendwo im Nirgendwo. Er hatte keinen Halt.“

Der 27-jährige B. und der 26-jährige Ebrahim H. B. sind angeklagt, sich im vergangenen Jahr dem IS in Syrien und im Irak angeschlossen zu haben. Ayoub B. soll gekämpft haben, H. B. stand der Anklage zufolge kurz davor, einen Selbstmordanschlag in Bagdad zu begehen. Das Gericht hält die zwei derweil für geläutert, da sie sich vom IS distanziert und die Vorwürfe im Wesentlichen gestanden haben.

Bislang wurde an 12 Tagen in Celle verhandelt. Dabei ergab sich das Bild, dass Yassin O. die zentrale Figur in der Wolfsburger Islamistenszene war. Erste Hinweise auf den Anwerber hatten Fahnder bereits 2011, seine spätere Rolle aber wurde unterschätzt. Der Islamist gehörte zunächst einer Untergruppierung von Al Kaida an und wechselte später zum IS. Unklar ist, wann genau die Ermittler vor der Ausreise der beiden Angeklagten Yassin O. auf dem Schirm hatten.