ISLAMABAD - Seit Monaten bereitet das Auswärtige Amt die Bonner Afghanistan-Konferenz vor. Minister Guido Westerwelle (FDP) reiste vor zwei Wochen eigens dafür in die Region und führte Gespräche in Kabul und Islamabad. In Istanbul, Astana und Brüssel gab es Vorbereitungstreffen. Delegationen aus 85 Ländern und von 16 Organisationen haben ihre Teilnahme am kommenden Montag zugesagt, das Gerüst für die Abschlusserklärung steht bereits. Und trotzdem droht die Konferenz nun weitgehend zu scheitern.
Die Schlüsselfigur der Konferenz wird fehlen: die pakistanische Außenministerin Hina Rabbani Khar. Grund ist ein NATO-Angriff auf zwei pakistanische Militärposten, bei dem 24 Soldaten getötet worden sein sollen. Nach dreitägigem Zögern zog die Regierung in Islamabad am Dienstag ihre Konsequenzen und sagte die Teilnahme an der Bonner Tagung ab – ein Schock für die Veranstalter.
Mächtiger Nachbar
Ein Erfolg der Konferenz, den sich auch Westerwelle und der afghanische Präsident Hamid Karsai wünschen, ist ohne Pakistan kaum möglich. Bei allen Punkten, die in Bonn besprochen werden sollen, spielt der mächtige Nachbar Afghanistans eine entscheidende Rolle. Zehn Jahre nach dem Sturz der Taliban soll es um die Zukunft des geschundenen Landes am Hindukusch nach dem Ende des internationalen Kampfeinsatzes 2014 gehen. Zentrale Punkte sind die politische Lösung des Konflikts mit den Taliban, die wirtschaftliche Entwicklung des Landes und die Stabilisierung der Region.
Ohne die Unterstützung der Atommacht Pakistan ist es so gut wie ausgeschlossen, Sicherheit und Stabilität am Hindukusch zu erreichen. Ohne Sicherheit wird auch die wirtschaftliche Entwicklung Afghanistans nicht vorankommen. Ob Pakistan allerdings überhaupt willens ist, sich für den vom Westen angestrebten Frieden in Afghanistan einzusetzen – oder ob das Land ein doppeltes Spiel spielt – ist seit Jahren unklar.
Die Anführer der drei wichtigsten afghanischen Aufständischen-Gruppen – Taliban, Hakkani-Netzwerk und Hisb-e-Islami Gulbuddin – werden allesamt in Pakistan vermutet. Im September hatte der damalige US-Generalstabschef Mike Mullen dem pakistanischen Militärgeheimdienst ISI vorgeworfen, die Aufständischen nicht nur zu dulden, sondern mit dem extrem gefährlichen Hakkani-Netzwerk sogar zusammenzuarbeiten. Die Regierung in Islamabad nutze „gewalttätigen Extremismus als Instrument der Politik“.
„Falscher Schauplatz“
Auch der afghanische Präsident Karsai und seine Regierung werfen Pakistan immer wieder vor, nicht entschlossen genug gegen die Taliban vorzugehen. Karsais Sicherheitsberater Rangin Dadfar Spanta meint sogar, die internationalen Truppen seien letztlich „auf dem falschen Schauplatz“ eingesetzt. „Wenn Sie das Problem Finanzkrise in Griechenland bekämpfen wollen, gehen Sie auch nicht in die Türkei.“
